Hallo zusammen!
Der Gebirgsliteraturthread hat mich daran erinnert, dass Albrecht von Hallers Die Alpen noch immer auf meiner "To-read"-Liste standen. Das habe ich nun in den letzten paar Tagen korrigiert, zumal seit Jahren bei mir dieses Reclam-Heft herumlag:
[kaufen='3150089638'][/kaufen]
allerdings in einer schon ziemlich vergilbten Version.
Nun denn. Haller gehört wohl schon seit der Goethe-Zeit zu den Grossen und Bekannten, die aber kaum mehr einer liest, weil sie veraltet sind. Lessing hat sich an ihm gerieben, weil er die Schilderung von Pflanzen in einem Gedicht als unmöglich empfand; Schiller empfand ihn als unfertig; Goethe hat Hallers Gedanken, dass der Naturforscher bestenfalls die Hülle der Natur zu erblicken bekommt, aufs Heftigste zurückgewiesen.
Dabei ist Haller eigentlich ein sehr aktueller Dichter. Aufklärer genug, um an die Wissenschaft zu glauben und zu glauben, dass diese Welt die beste aller möglichen sei - Barockdichter zugleich, der die Nichtigkeit des irdischen Daseins nur allzu sehr am eigenen Leib erfahren hat - Calvinist ebensosehr, der den Tod ebenso herbeisehnt wie er die Bestrafung im Jenseits fürchtet.
Leider steht ihm wohl seine Sprache im Weg, die der Brillanz anderer "Klassiker" ermangelt, zu sehr hat er sich wohl auch darauf kapriziert, nur in seinen Musse- und Krankenstunden gedichtet zu haben.