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Lyrikmail Nr. 1220 07.02.2006
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Völkerhaß
Durch Zäune trennt man Herden auf der Weide,
Nach Grenzen, die durch Herrschermacht sich ändern,
Nach Ursprung, Sitten, Sprachen und Gewändern
Zieht man der Menschheit bunte Völkerscheide.
Doch Gott will nicht, daß Volk und Volk sich meide:
Das Meer bis zu des Erdballs fernsten Rändern
Wogt als Vermittler zwischen allen Ländern,
Es trennt zwei Welten und vereinigt beide.
Allein der Vorurtheile tiefe Kluft
Trennt Volk von Volk. Wie Gras auf beiden Seiten
Wuchert die Thorheit, die das Fremde meidet.
Doch hohe Bäume ragen durch die Luft,
Die Zweig' und Krone sich entgegenbreiten
Der Kluft nicht achtend, die die Wurzeln scheidet.
Friedrich von Bodenstedt
(1819-1892)
* der Autor
geboren am 22.4.1819 in Peine, nach einer Kaufmannslehre studierte er in Göttingen für kurze Zeit Geschichte und Fremdsprachen, 1840 ging er nach Moskau und wurde Privatlehrer bei einem russischen Fürsten, er wechselte 1843 als Gymnasiallehrer nach Tiflis, bereiste Kleinasien und wohnte ab 1846 in München, Triest, Berlin, Frankfurt am Main, Bremen, Kassel und Thüringen, war als Mitarbeiter verschiedener Zeitungen tätig, bis ihn 1854 Maximilian II. nach München berief, wo er als Honorarprofessor für slawische Sprachen und später für englische Literatur arbeitete. Er war Mitglied der Dichtergesellschaft "Krokodile", 1866 ging Bodenstedt als Intendant des Hoftheaters nach Meiningen, trat dort aber bereits 1869 zurück. Seit 1876 lebte er in Wiesbaden wo er am 18.4.1892 starb.
Quelle: Lyrikmail.de
Ein schönes und aktuelles Gedicht hat uns Gregor Koall da herausgesucht! Sein Lyrikmail ist wirklich eine schöne Sache! Habt ihr euren täglichen und kostenfreien Lyrikmail schon abboniert?
Grüße, FA