Wiener fin de siècle

  • Der Prestel-Verlag gibt einige Bücher über Schiele heraus, unter anderem das zeichnerische Werk der Ausstellung in der Albertina:


    Egon Schiele
    von Klaus Albrecht SchrÜder. 420 Seiten mit 341 Farbabb. Gebunden mit Schutzumschlag, Format 24,5 x 29 cm, EUR 49,95 (D)
    3-7913-3533-2

    Erotische Zeichnungen/Erotic Sketchbook (dt./engl)
    von Norbert Wolf. 64 Seiten mit 38 farbigen Abb., Format 16,5 x 22 cm, Pappe, EUR 19,95 (D)
    3-7913-3431-X

    Egon Schiele Landschaften
    von Leopold/Laback, 208 Seiten mit 112 Farb- und 64 s/W-Abb. Format 22,5 x 29 cm, EUR 49,95 (D)
    3-7913-3214-7

    Egon Schiele, Neue Galerie New York (engl.)
    von Renee Price. 504 Seiten mit 180 Farb- und 30 s/w-Abb., Format 23,5 x 28,5 cm, EUR 59,00 (D)
    3-7913-3390-9

    Egon Schiele, Eros und Passion
    von Klaus Albrecht SchrÜder. 120 Seiten mit 60 Farb- und 48 s/w-Abb., Format 18,5 x 27 cm, EUR 14,95 (D)
    3-7913-3098-5

    Postcard Book Egon Schiele
    31 Seiten 30 einzeln heraustrennbaren Postkarten, Format 16 x 11,5 cm., EUR 7,95 (D)
    3-7913-3209-0

    My Book Egon Schiele
    Notizbuch, Format 9 x 13,6 cm, 6,95 EUR (D)
    3-7913-3588-X


    Siehe auch http://www.prestel.de/


    Güße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Egon Schieles Rivale Oskar Kokoschka machte eine Anekdote über Schieles sicheren Strich, den ich dem Buch Schiele von Wolfgang Fischer (Taschen) etwas aus dem Zusammenhang gerissen hierherzitiere:

    Zitat

    …Noch nach der ersten großen Schiele-Ausstellung in London (1994) belegt Kokoschka im hohen Alter den Konkurrenten Schiele mit dem abfälligen Etikett “Pornograph”. Im übrigen tut er Schieles berühmte Strichsicherheit mit der Behauptung ab, dieser habe sich während der Abwesenheit des tapferen Kavalleristen Oskar, der an den Fronten des Ersten Weltkriegs Dienst tat, in Kokoschkas Wiener Atelier geschlichen, um ihm – wie er nachweisen könne – den “Strich” zu stehlen…

    über das anekdotische hinaus muss jede(r), der/die zeichnet, das zeichnerische Genie Schieles neidlos anerkennen. Ob es die Sicherheit des Strichs, dessen teilweise lyrischer Ausdruck, die Verwendung von Perspektive, teils sogar mehrerer Perspektiven in einer Zeichnung, der Gegenüberstellung von Fläche und Raum usw. betrifft, Schiele war in dieser Hinsicht (neben seiner Themenwahl und –darstellung) einer der wichtigsten Wegbereiter der östereichischen, ja europäischen Moderne. Mich erstaunt darüber hinaus noch der Umfang des so früh an der Spanischen Grippe gestorbenen Künstlers… Ich erkenne Schieles zeichnerisches Genie so neidlos an, wie Gustav Klimt es tat... Dieser förderte als väterlicher Mentor Schiele neidlos und um Schieles Künstlerschaft wissend…


    Schieles Lehrer Griepenkerl von der Akademie der schönen Künste soll ja einer anderen Anekdote zu Schiele (für den er sich schämte) geäußert haben:

    Zitat

    Sie hat der Deubel an meine Schule gekackt.

    Griepenkerl wird nur noch erwähnt, weil er einmal Schieles Lehrer war und vielleicht wegen dieser Anekdote…


    Oskar Kokoschka, der übrigens die Aufnahmeprüfung nicht bestand, pflegte über das Akademiestudium später zu sagen und ich zitiere wieder aus dem oben erwähnten Buch:

    Zitat

    …Die Haupt- und Residenzstadt der Vielvölkerreichs tritt dem jungen Maler wahrhaft feindlich gegenüber, wie übrigens auch einem anderen, später weltberühmten Zeitgenossen, der allerdings das angestrebte Akademiestudium nicht antreten kann, da er die Aufnahmeprüfung nicht besteht. Oskar Kokoschka…pflegte später scherzhaft zu sagen: “Leider ist der Hitler bei der Aufnahmeprüfung durchgefallen. Wär’s umgekehrt gegangen, wär’ der Welt viel Leid erspart geblieben – mit Hitler als schlechtem Maler und mit mir als einsichtsvollem Politiker.”…


    Doch für heute genug der Ankdoten…


    Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Eine filmische Hommage an Gustav Klimt lief laut WDR im Kino bereits Ende Mei dieses Jahres an... also muss ich mir das hier vermerken, damit ich es nicht vergesse, nach der DVD Ausschau zu halten...


    Über Egon Schiele wurde 1981 auch einmal ein Film gedreht...


    Über Kokoschka kann man vielleicht im Film Alma Mahler mehr erfahren...


    Wie sieht es mit Reportagen aus und mit Dokumentationsfilmen? Das werde ich mal zusammengoogeln, um mich schlau zu machen...


    FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Jetzt in einem der alten Wiener Kaffeehäuser sitzen und einen Kaffee trinken, über die nächsten Besuche in Wiener Museen nachzudenken, z.B. den Beethovenfries, oder die Albertina, oder das Belvedere und sich gedanklich in die Zeit des Fin de siècle zurückzuträumen, das wäre etwas, das mich jetzt begeistern könnte, wovon aber noch einige Jahre nur Fernweh bleibt...


    Aber irgendwann werde ich dies nachholen.


    Vielleicht wohnt ihr ja dichter dran und könnt euch diesen schönen Abstecher erlauben.


    Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Hier gibt es einige Klimt-Bilder zu betrachten.


    Noch besser sind sie natürlich in dem Taschen-Büchlein von Gilles Neret abgebildet, das für den Klimt-Einstieg schon sehr zu empfehlen ist. Es gibt aber auch weitere sehr schöne Bücher, die sich mit dem Leben und Werk von Gustav Klimt befassen. Einige sind sehr spezialisiert...


    Ein sehr interessanter Maler, was seine Kunstauffassung und Arbeitsweise betrifft!


    Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Hatte sich von euch jemand die Maximilian-Liebenwein-Asstellung im Schlossmuseum angesehen? Kennt von euch jemand Maximilian Liebenwein? Er war mir bis vor kurzem unbekannt, aber die Ansiedlung zwischen Impressionisten und Jugendstilkünstlern machte mich sogleich aufmerksam auf ihn. Mittlerweile ist der Ausstellungskatalog auch im Buchhandel zu beziehen und ich habe ihn mir bestellt. Ich finde die Fin-de-siècle-Künstler(Innen), die den Jugendstil mit einer anderen Kunstströmung verbinden sowieso sehr beeindruckend. Liebenwein zwischen Impressionismus und Jugendstil, Klinger zwischen Symbolismus und Jugendstil... das hat großen Reiz und meist gab es da auch sehr literarische und oder philsophische Themenwahl. Ich werde später noch zu berichten wissen, wenn ich mich in die Lektüre des Ausstellungskataloges vertieft habe...


    Noch einen schönen Samstag wünscht euch FA!

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Nicht unerwähnt bleiben darf hier natürlich die Wiener Werkstätte GmbH. Das Palais Stoclet mit den Klimt-Fliesen muss ich mir unbedingt noch ansehen. Das liegt, verglichen mit Wien, "vor der Haustür". Eines der wenigen, im Jugendstil geschaffenen Gesamtkunstwerke.


    Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Hallo xenophanes, ich habe das auch noch mal überprüft, dem ist wirklich nicht so. Wien liegt noch weit hinter und unter Brüssel. Sehr weit sogar. So besuche ich Wien dann eben virtuell oder lese über das Wiener Fin de Siècle, dass von den Östereichern wirklich meisterhaft vermarktet wird. Aber Klimt, Schiele, Kokoschka, Moser und all die anderen Künstler(Innen) haben den Ruhm, der ihnen zu Lebzeiten nicht oder zu wenig durch die Wiener selbst zuteil wurde, sicher verdient. Als radikale und erneuernde Künstler(Innen) mit hoher künstlerischer Qualität und auch dank ihrer Mitstreiter(Innen), Freunde und Mäzene haben sie nicht nur dem Zeitgeist, sondern auch dem Zahn der Zeit getrotzt. Es gibt noch vieles zu entdecken und Bücher darüber gibt es sehr viele (und besonders auch schöne). Einige mir bisher nicht gekannte östereichische Künstler(Innen) dieser Zeit entdecke ich gerade für mich. Schlimm, dass der erste Weltkrieg und die Spanische Grippe dieser künstlerischen Blüte so hart zusetzte und sie zum welken brachte. Aber dem deutschen Expressionismus und vielem anderen erging es da nicht besser... Sonntagsgrüße aus den flachen Ebenen noch hinter Brüssel, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Wozu zündete die SS Schloss Immendorf am Ende des Krieges, am 5. Mai 1945 an, in dem Bilder Klimts zum Schutz vor Kriegseinwirkungen ausgelagert wurden?


    Fehlte in der blutig-zerstörerischen Tätigkeit der SS neben Bücher-, Menschenverbrennung und verbrannter Erde noch Bilderverbrennung?


    Jedenfalls ist es schlimm, denn
    Die Musik II
    Schubert am Klavier
    Zug der Toten
    Malcesine am Gardasee
    Bauerngarten mit Kruzifix
    Gartenweg mit Hühnern
    Leda
    Die Freundinnen
    und die Fakultätsbilder:
    Philosophie
    Medizin
    Jurisprudenz
    und wer weiß was noch sind in ihrer ganzen künstlerischen Pracht nicht mehr zu bewundern und für immer verloren. Von den Fakultätsbildern sind nicht einmal Farbreproduktionen überliefert.


    Wozu nur immer dieses sinnlose Morden und Zerstören?


    Aber scheinbar werden/wurden die Fakultätsbilder in der Wiener Universität rekonstruiert.

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Die Gründung der Wiener Secession gilt als “Geburtsstunde einer neuen Zeitrechnung” und unter dem Leitmotiv “Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit” versuchte die Wiener Moderne Kunst und Leben, Freiheit und Zeitgeist zusammenzuführen und neu zu beschreiben und festzulegen. Das dies den Zeitgeist zu Widerständen veranlasste, verwundert mich nicht. Aber den künstlerischen Aufbruch, fast schon Ausbruch, konnte er nicht mehr verhindern. Die Kraft, mit der die Wiener Moderne herausbrach ist noch heute in den Kunstwerken zu erkennen und hat immer noch ihren Reiz. Ich glaube sogar oft typisch Wienerische Eigenschaften und Ausdrucksweisen zu erkennen. Vielleicht ist dies durch die herausragende Persönlichkeit und das herausragende Werk einiger Künstler verursacht, was ich aber nicht zo eingeschränkt sehen möchte…


    Jedenfalls hatte diese Strömung in erster Linie durch Gustav Klimt einen großen Fürsprecher und ein großes Vorbild. Er war Wegbereiter für Oskar Kokoschka, Egon Schiele und andere Künstler(Innen)…


    Ein Schlüsselwerk dieser Entwicklung ist Klimts “Hoffnung I”, das als Ausstellungsbild höchster Güte und als Schlüsselwerk von Nacktheit und Öffentlichkeit gild. Es konnte jahrelang nicht öffentlich ausgestellt werden. Es wurde von der breiten Öffentlicheit abgelehnt. Fritz Waerndorfer, Gründungsdirektor der Wiener Werkstätte, der dieses Bild erwarb, ließ Waerndorfer einen von Kolo Moser eigens dafür entworfenen Schrank im Stil liturgischer Schreine bauen, der in einem Ritual nach dem Tee bei den Waerndorfers von der Dame des Hauses, mit einem von einem Dienstmädchen auf rotem Samt gereichten silbernen Schlüssel, geöffnet wurde und nach dem Öffnen der Flügeltüren den priveligierten Blick freigab. Manchmal denke ich mir, dass genau diese Geschichte typisch für das Wien dieser Jahre ist…


    Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Da habe ich doch ganz vergessen, die Quelle für die im obigen Beitrag sinngemäß wiedergegebene Geschichte anzugeben... ich habe sie aus dem erhellenden und verlegerisch sorgfältig editierten Band Die nackte Wahrheit. Es gibt viele Anekdoten, viele Geschichten und viel Wissen, die/das übersichtlich und sehr umfangreich zusammengestellt wurde und mich das Wiener fin de siècle eingehend kennenlernen und fühlbar werden lassen. Es räumt aber auch mit einigen liebgewordenen kunsthistorischen Clichés auf und zeigt einiges in ganz neuem Licht. Es ist ein überaus fesselndes Buch, trotz seines Umfanges und der Detailvielfalt leicht und nachvollziehbar lesbar. Aber ich will nicht zu weit abschweifen... Es ist ein Buch, aus dem ich sinngemäß wohl noch mal vorschwärmen werde. Die Geschichte mit dem Kolo-Moser-Schrein für die "Hoffnung I" finde ich jedenfalls genial - es gibt doch nichts, was des Menschen Phantasie in seinem Erfindungsgeist und in seiner Ästhetik zu bremsen vermag, nicht einmal noch so erstarrter Zitgeist... Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Klimt - Der Film gefiel mir trotz der gelesenen Kritiken dennoch sehr gut, wenn man die Handlung aus dem Blickwinkel des Traumes und der Erinnerung sieht. Es ist ein recht aufwendig gestalteter Film, der sich sehr viel Mühe mit dem historischen Dekor gab. Die Fakultätsbilder, die ja 1945 verbrannten, wurden eigens dafür neu gemalt/rekonstruiert. Die etwas verworrene Handlung, die keine biographisch gerade Linie nachzieht wird aber durch einige Details wettgemacht und folgt dem Ansatz traumhafter Erinnerung. Was der Film sehr wohl sehr gut rüberbrachte, war die historische Stimmung im Wien des Fin de siècle. Ein Kunstfilm, soviel ist sicher und soviel war auch beabsichtigt. Klimt wird jedenfalls als sehr widersprüchlicher und sinnlicher Mensch wiedergegeben, der die Frauen liebte, aber auch benutzte und danach dennoch wieder unterstützte... Ich werde ihn mir noch einmal in aller Ruhe ansehen. Klaus Kinskis Sohn spielte Egon Schiele recht überzeugend, ich wusste garnichts von diesem Schauspieler. Überhaupt konnte man mit John Malkovich einen Klimt sehr ähnlichen Schauspieler und mit Nikolai Kinski einem Schiele sehr ähnlichen Schauspieler verpflichten. Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

    Einmal editiert, zuletzt von Friedrich-Arthur ()