• Ich zitiere mal das Deckelinnenblatt von Max Raphael "Von Monet zu Picasso - Grundzüge einer Ästhetik und Entwicklung der modernen Malerei" (stw 832), da ich mich später hier noch gerne über diesen, von der deutschen Geschichte gezeichneten, Schriftsteller austauschen und schon jetzt einmal auf ihn aufmerksam machen möchte:

    Zitat


    Max Raphael, geboren 1889 im damaligen Posen, studierte Philosophie bei Georg Simmel und Henri Bergson, Kunstgeschichte bei Heinrich Wölfflin und löste sich schon 1913 mit seiner ersten Schrift “Von Monet zu Picasso” aus dem akademischen Rahmen der Kunstwissenschaft seiner Zeit. Bereits 1911 hatte er in Paris Bekanntschaft Picassos gemacht und die Werke der Impressionisten sowie die von Cézanne und Matisse studiert.
    1917 desertierte er aus dem deutschen Militärdienst in die Schweiz und kehrte erst 1920 aus diesem ersten Exil nach Berlin zurück. Raphael veröffentlichte nun regelmäßig Artikel in verschiedenen Kunstzeitschriften, die der Sezession und dem Expressionismus nahestanden. 1925-1932 lehrte er an der Volkshochschule Groß-Berlin. 1932 verließ Raphael Deutschland, nachdem sein angekündigter Kurs über “Die wissenschaftlichen Grundlagen des “Kapitals” “ von der Volkshochschulleitung abgesetzt worden war. Von 1932 bis 1940 lebte er in Paris am Rande des Existenzminimums. Mit Hilfe von Freunden gelangen einige Veröffentlichungen: “Proudhon Marx Picasso” (1933) und “Zur Erkenntnistheorie der konkreten Dialektik” (1934). Zugleich begann er mit historischen Studien zur französischen Romantik und einer später abgebrochenen Arbeit über Flaubert.
    Nach Kriegsbeginn wurde Raphael zweimal in französischen Konzentrationslagern interniert, konnte aber 1941 in die USA emigrieren. Bis 1952 lebte und arbeitete er in New York. Vor dem Hintergrund seiner persönlichen Begegnungen mit Künstlern und der zeitlebens von ihm betonten Bild-Erfahrung sowie seiner weitgespannten theoretischen Interessen an Philosophie, Kunstgeschichte, Archäologie und Architektur entwickelte er seine “empirische Kunstwissenschaft”. Die Studien zur ägyptischen, später zur vor- und frühchristlichen Kunst, die er an Exponaten der New Yorker Museen betrieb, bezeichnete er als Prüfsteine seiner Methode: Allein aus den ästhetischen Zeichen und Formen sollten deren geschichtlicher Inhalt, Entwicklung und soziale Bedeutung erkennbar werden. Am 14. Juli 1952 hat sich Max Raphael das Leben genommen.
    “The Times Literary Supplement” bezeichnete Max Raphael als “den vielleicht größten Kunstphilosophen dieses Jahrhunderts.


    Ich wünsche euch noch einen schönen Abend, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10