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lyrikmail Nr. 1167 23.11.2005
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Die verworfene Liebe
Ich habe genug.
Lust, Flammen und Küsse
Sind giftig und süße
Und machen nicht klug.
Komm, selige Freiheit und dämpfe den Brand,
Der meinem Gemühte die Weißheit entwand.
Was hab ich getan!
Jetzt seh ich die Triebe
Der törichten Liebe
Vernünftiger an;
Ich breche die Fessel, ich löse mein Herz
Und hasse mit Vorsatz den zärtlichen Schmerz.
Was quält mich vor Reu?
Was stört mir vor Kummer
Den nächtlichen Schlummer?
Die Zeit ist vorbei.
O köstliches Kleinod, o teurer Verlust!
O hätt' ich die Falschheit nur eher gewusst!
Geh, Schönheit, und fleuch!
Die artigsten Blicke
Sind schmerzliche Stricke;
Ich merke den Streich.
Es lodern die Briefe, der Ring bricht entzwei
Und zeigt meiner Schönen: Nun leb ich recht frei.
Nun leb ich recht frei
Und schwöre von Herzen,
Dass Küssen und Scherzen
Ein Narrenspiel sei;
Denn wer sich verliebet, der ist wohl nicht klug.
Geh, falsche Syrene, ich habe genug!
Friedrich Rückert
(1788-1866)
Quelle: Lyrikmail.de
Ein Gedicht, das mich doch sehr an Heinrich Heines Gedichte erinnert (siehe auch: http://www.literaturcafe.de/bo…t_topic/f/5/t/001515.html ). Jedenfalls ist es ein sehr schmerzliches Gedicht. Aber ob die von Rückert angedeutete Freiheit eine wirkliche Freiheit ist, wage ich zu bezweifeln. Liebesverwicklungen, Liebesleid und Liebesfreud gehören zu den wichtigsten und bestimmendsten Dingen im menschlichen Leben. Selbst die vom Feuer Gebrannten suchen wieder und wieder die wärmende Flamme und ist sie noch so klein. Manchmal frage ich mich, ähnlich Rückert und vieler anderer Dichter(innen), ob dem zu entfliehen ist und ich denke: NEIN. Das geht schon seit Jahrhunderten und Jahrtausenden so und wird durch große Werke der Weltliteratur immer wieder beschrieben. Insgeheim hoffe ich selbst, das dies so bleibt…
Grüße, FA