Beiträge von Johann

    Zitat von "siodmack"

    Und im tiefsten Kern hatte Goethe etwas anderes mit seinem Faust im Sinn als zu Philosophieren.
    siodmack


    Diese Bemerkung verstehe ich überhaupt nicht. Was hatte er im Sinn? Was meinen sie mit "Philosophieren"?

    Zitat von "siodmack"

    Hallo,
    lieber Johann, du schreibst: Und im Faust ist tatsächlich viel Schopenhauer. Ich hab noch einen Aspekt: Mephisto beschreibt im "Prolog im Himmel" das menschliche Leben als Leiden. Hier nimmt Goethe sogar Freud vorweg…


    Nun, dann hat Goethe ja auch gleich den ganzen Buddhismus ausgehaucht, denn die Beschreibung des menschlichen Lebens als Leiden und gar als Philosophie ist schon um viele Jahrhunderte älter. Nein, es ist ein Ding der Unmöglichkeit den Faust auf das Schopenhauerische Werk zu beziehen, so sehr es Schopenhauer auch ehren mag. Ich denke da vor allem an Roquairols antwort: Goethe war eher denn Schopenhauer. Und im tiefsten Kern hatte Goethe etwas anderes mit seinem Faust im Sinn als zu Philosophieren.


    siodmack


    Schopenhauer hat sich sehr für die östlichen Religionen interessiert und an ihnen angeknüpft. Es ist egal, ob Goethe vor Schopenhauer war oder nicht. Jede Philosophie erhebt den Anspruch auf Universalität. Schopenhauer hat seine Vorstellungen sicherlich nicht am "Faust" orientiert, dennoch finden sich Merkmale seiner Philosophie in Goethes Werk, das mit Kenntnis von Schopenhauer und anderen Philosophen verständlicher wird.

    Zitat von "Leila Parker"

    Hallo Johann!


    Ja, jetzt weiß ich wie Du es meinst und ist für mich nachvollziehbar. Philosophie und deren Interpretation ist für mich noch Neuland und harrt der Entdeckung. Vielen Dank.


    Gruß Leila


    Das ist sehr interessant, glaub mir!


    Ich halte das für sehr unwahrscheinlich. Schopenhauer ging eher von Kant aus. Goehte war ja kein Philosoph im Sinne von Kant oder Schopenhauer. Freud wiederum knüpfte an Schopenhauer an.


    Natürlich kann in Faust "Schopenhauer" enthalten sein. Die Dinge, die ich bis jetzt erwähnt habe, sind alles Merkmale der Philosophie Schopenhauers. Es spiegeln sich ja auch noch andere Philosophen in "Faust", z.B. Platon.

    So einfach ist das nicht. Es finden sich immer wieder Merkmale verschiedener
    Philosophien in literarischen Werken. Und dass dabei spätere Erkenntnisse vorweggenommen werden, ist nicht selten.
    Und im Faust ist tatsächlich viel Schopenhauer. Ich hab noch einen Aspekt: Mephisto beschreibt im "Prolog im Himmel" das menschliche Leben als Leiden. Hier nimmt Goethe sogar Freud vorweg, wenn Mephisto sagt: "Er nennts Vernunft und braucht's allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein."

    Zitat von "sandhofer"

    Schopenhauer? Wenn, dann hätte Schopenhauer seine Philosophie von Goethe genommen. Was - in einem bestimmten Rahmen - auch wohl so war.


    Einen blinden Willen kann ich im Faust aber bei bestem Willen nicht erkennen.


    Zum ersten Punkt: Den bestimmten Rahmen müssen sie erklären.
    Zum zweiten Punkt: Der blinde Wille, bezieht sich auf das unaufhörliche Streben Fausts. Er ist ein Getriebener. Keine Wissenschaft bring ihn ans Ziel.
    Deswegen geht er ja den Pakt mit Mephisto ein.

    Es gibt zwar schon einen Faust-Thread, aber hier möcht ich mal ein bisschen den philosophischen Gehalt von Faust I diskutieren. Ich fang mal an:
    Ich bin der Meinung, dass sich im Faust vor allem das philosophische Gedankengebäude von Arthur Schopenhauer wieder findet. Bei Faust kann man diesen blinden Willen erkennen, der ihn immer weiter treibt, ohne dass er auf Dauer eine befriedigende Lösung findet.
    Ein weiterer Aspekt ist das Mitleid, das Faust am Ende des Stückes für Gretchen empfindet ("Als Missetäterin im Kerker zu entsätzlichen Qualen eingesperrt das holde unselige Geschöpf!").
    Was sagt ihr dazu?

    Effi Briest ist ein Musterbeispiel des poetischen Realismus. Die Darstellung des Typischen, nicht des Außergewöhnlichen, das Ausblenden von Tabuthemen, usw..... sind klare Charakteristika des Realismus.