Beiträge von dusy

    Hallo finsbury, hallo klassikfreund,


    man sagt bei uns,


    “Du sollst mit einem, der nicht Mal [Die Geschichte der drei Reiche] gelesen hat, keine Freundschaft schließen, und mit einem, der sie mehr als dreimal gelesen hat, nicht streiten.“


    ich bin froh, dass ich mit meinem Beitrag eure Interesse an „Die Geschichte der der Reiche“ geweckt habe. Der Spruch ist selbstverständlich übertrieben, man möchte nur damit sagen, dass diese Erzählung einem sehr viel bringen kann. Die Geschichte ist auf jeden Fall viel tiefgreifender und komplexer als „Die Reise nach Westen“ und „Die Räuber von Liang-Schan-Moor“ Sie basiert auf einer wahren Geschichte und deshalb so spannend und interessant, da die reale Eigenschaften(Charakter) der drei Reiche so weit auseinander liegen und ein perfektes Dreieck bilden(nicht immer aber meistens), und dies in der Erzählung so reichlich und schlüssig geschildert wurde. Auch die Hauptfiguren der Geschichte sind so eindeutig und gezielt charakterisiert geschildert, dass wir sie im heutigen Alltag sehr oft als eine Beschreibung der jeweiligen persönlichen Eigenschaft verwenden.


    Ich finde, die Übersetzung muss nicht unbedingt die ganze detaillierte Geschichte übertragen, aber viel wichtiger die einzelne Hintergründe der chinesischen Kultur reichlich erläutern, sonst fühlt man sich, wie finsbury oben geschrieben hat, ziemlich verloren bzw. versteht man bei vielen Stellen nicht, was der Autor damit gemeint hat. Es ist vor allem der Unterschied der allgemeinen Mentalität, der die abendländische Leser schwer macht, und da braucht man einfach viel Zeit und Erfahrung, wenn man unsere Kultur richtig verstehen möchte.


    Thomas
    Ich habe versucht, die Liste im Internet zu finden, aber es ist mir leider nicht gelungen. Aber aus dem Bauchgefühl wage ich zu sagen, dass die oben genannten Klassiker eher zum Zweck, Entspannen und Genießen gelesen werden, als fürs Studium.


    finsbury
    Die koreanische Sprache ist schon ziemlich nah verwandt mit Chinesischen,(genau so wie Japanische). Unsere Buchstaben sind nur 600 Jahre alt, und davor hatte man bei uns nur chinesische Zeichen als einziges schriftliches Ausdrucksmittel. Das hat sicherlich auch auf unseren schriftlichen Gebrauch enorm beeinflusst sogar bis zum heutigen Tag. Bis vor 20-30 Jahren war es sehr üblich, dass man gemischt, d. h. koreanische Buchstaben und chinesischen Zeichen, geschrieben hat. Es liegt daran, dass viele Worte gleiche Aussprache haben und manchmal nur mit chinesischen Zeichen eindeutig werden. Aber seit 20-30 Jahren versucht man möglichst wenige chinesische Zeichen zu verwenden und nur im dringenden Fall in Klammern zu ergänzen. Aber das gilt nur mit Schriften und sonst werde ich kein Wort verstehen, wenn jemand mir auf chinesisch ansprechen würde. :zwinker:


    Viele Grüße,


    dusy

    Hallo,


    ich wollte nur kurz mal beschreiben, wie wir, Ostasiaten(OK, genauer gesagt Südkoreaner :rollen:), allgemein von den chinesischen Klassikern wissen und gerne lesen. Mit einem eindeutigen Abstand stehen zwei Klassiker von alle anderen.


    Die Reise nach Westen / Wu Cheng’en
    Die Geschichte der Drei Reiche / Luo Guanzhong


    Jeder, wirklich jeder kennt mindestens die grobe Handlung von den beiden Romanen, denn die kurze Fassung wird oft als Kinderbuch mit vielen Bildern gedruckt, und auch als Zeichentrickfilm verschiedener Versionen läuft sehr oft im Fernsehen, wie "Wickie und die starken Männer" :smile: (Aber das heißt nicht, dass wir auch den deutschen Titel ohne Mühe verstehen können... ich musste ja erstmal erkundigen, womit was gemeint war :zwinker:)


    Wir haben dann die "Standard"-Übersetzungen, die sehr beliebt sind,und für "Die Reise nach Westen" gibt es als 6 Bänder- jeweils 300-400 Seiten und für "Die Geschichte der Drei Reiche" 10 Bänder-auch jeweils 300-400 Seiten.
    Es ist schon lustig hier den Unterschied zu merken, denn wir haben sehr häufig einen Roman mit geteilten Bändern.
    Schon über 500 Seiten entscheidet der Verlag für 2 Bänder. Die wollen einfach mehr Geld verdienen.... :|


    Dann kommen die weitere zwei Klassiker, "Die Räuber vom Liang-Schan-Moor" und "Der Traum der roten Kammer"


    Wobei den zweiten habe ich noch nicht gelesen, deshalb habe ich wenig zu sagen. Aber den ersten habe ich mehrmals gelesen, (und wie!) und der ist auch sehr beliebt von den Jungs.(auch 6 Bänder)
    Einfachere Handlung als "Drei Reiche" aber genau so spannend und viel Heldentaten.
    Aber wie es oben schon erklärt wurde, geht es nicht nur um den Kampf sondern auch um die Kultur, Liebe und interessanten Gedanken.


    Also ich kann sie allen empfehlen, die gerne chinesische Kultur kennenlernen möchten...


    Viel Grüße,


    dusy

    Hallo Maria,


    vielen Dank für den Tipp! Ich habe das Buch schon im Internet bestellt, ich freue mich schon riesig drauf!
    (Normalerweise kaufe ich nie im Internet, aber heute musste ich ein Spielchen für meinen Sohn im Internet kaufen, und um die Versandkosten zu sparen musste ich was mitbestellen.:breitgrins: Ich habe einfach das Buch von dtv übersetzt von J. Hahn bestellt. Ich hoffe, dass ich nichts Falsches gemacht habe... :rollen:)


    Ich bin sicher, dass es sich um ein hoch interessantes Buch handelt, aber ich habe nie so eine Leserunde gemacht,
    also da bin ich mir nicht so sicher, ob ich richtig mithalten kann...


    Gibt es eigentlich so einen Plan, wo man die kommenden Leserunden überblicken kann?


    Viele Grüße,
    dusy

    Hallo Dostoevskij!



    Trennt man die nord- von der südkoreanischen Literatur?


    Ja, sicher. Wobei es ist nur ein kleines Teil von unserer zeitgenössischen Literatur.
    Die zeitgenössische koreanische Literatur definiert man bei uns von dem Zeitraum von 1897 bis heute.
    Nord- und Südkorea sind durch den Koreakrieg(1950) entstanden und blieben so bis zum heutigen Tag.


    Ich habe bis jetzt kein einziges Buch von nordkoreanischen Schriftstellern gelesen, und es liegt eher daran, dass die gesamte Bücher aus Nordkorea bis 1988 in Südkorea verboten waren. Danach hat die Regierung bei einiger Büchern, die nichts mit Ideologie zu tun hatten und wichtige schöpferische Gestaltung gezeigt hatten, das Verbot aufgehoben, aber das heißt nicht, dass dann alle Leser automatisch nach diesen Büchern zugreifen. Die gegenseitig ablehnende Geste, zumindest wenn es um Ideologie ging, blieb bis heute, und es ist für uns alle schwierig, die zwei gespaltete Kultur mit objektiven Gläsern zu betrachten.


    Unsere klassische Literatur fängt im Jahr 727(unsere erste bis heute existierende Novelle) an, und dauert bis zu unserer letzten Dynastie Chosun, die im Jahr 1897 endgültig beendet wurde. Aber meiste alte Bücher braucht man eine zusätzliche Übersetzung auf unsere aktuelle Sprache, daher für normale Leute wie ich, ziemlich schwer und unzugänglich. Die wichtige Sachen habe ich dann nur zwangsläufig in der Schule gelesen und freiwillig gelesen habe ich dann lediglich nur die zeitgenössische Literatur.


    Aber sogar die Erfahrung ist peinlicher- aber logischerweise viel geringer als die mit der europäischen Literatur. Ich war erst 18 als ich nach Deutschland kam, und da habe ich auch erst angefangen richtig viel zu lesen (freiwillig). Also ich habe leider weniger was zu sagen über die koreanische Literatur als die deutsche zum Beispiel...


    LG,


    dusy

    Guten Abend alleseits!


    Ich komme aus Süd Korea, und lebe in Deutschland seit über zehn Jahren. Ich bin Orchestermusiker, habe Cello in Hannover und Köln studiert. (dusy=Düsseldorfer Symphoniker) Ich habe eine wunderschöne Frau und zwei Söhne, die noch ziemlich klein sind.


    Ich habe eigentlich angefangen deutsche Bücher zu lesen, um meine deutsch-sprachliche Fähigkeit zu verbessern. Angefangen habe ich mit ein paar Büchern von Frisch, Hesse und Kafka. Und schon bald konnte ich nicht mehr raus von dieser gewaltigen und leidenschaftlichen Literaturwelt. Böll, Dürrenmatt, Lenz, Roth, Zweig, Bernhard, T. Mann... Die Bücher haben mich so fasziniert, manche Tage konnte ich nicht anders tun als nur lesen. (Gott sei Dank, damals habe ich noch studiert. :smile:)


    Seit ich arbeite und Kinder habe, kann ich nicht mehr so viel lesen, aber ab und zu versuche ich wieder reinzukommen. Letzter Zeit habe ich mich eher mit russischer Literatur beschäftigt. (Dostojewskij und Tolstoi) Ich habe gerade "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" von Solschenizyn fertiggelesen, und fange nun mit "Die Brüder Karamasow" an. Die Russische lese ich auch auf deutsch, da ich die Übersetzung auf deutsch gelungener als auf koreanisch finde.(nur eine persönliche Meinung, es liegt auch daran, dass die Sprachen viel weit auseinander sind.)


    Ich bin froh, dass ich dieses Forum gefunden habe, sicherlich werde ich von Euch viel lernen. (Ich habe nämlich den Faden verloren in der deutschsprachigen Literatur. Ich wusste nicht weiter, welcher Schriftsteller mich interessieren würde. Komisch aber wahr...) Ich werde mal fleißig suchen und lesen in diesem Forum, und ich werde mich auch freuen, wenn ich irgendwie auch meine Erfahrung mit Euch teilen könnte.


    Liebe Grüße,


    dusy