Ihr Lieben,
ich habe gestern die Lektüre von Steinbecks „Früchte des Zorns“ beendet und bin beeindruckt. Es geht um die von Banken und Agrarindustrie angezettelte Vertreibung von Landpächtern, die in den USA der 30er Jahre mit der einsetzenden maschinellen Landwirtschaft nicht mehr Schritt halten können und sich auf den Weg nach Kalifornien machen, um dort Arbeit und neues Land zu finden. Sie werden bitter enttäuscht.
Steinbeck beschreibt anhand einer Familie aus Oklahoma sehr eindringlich das Schicksal der Vertriebenen, die zu Fremden im eigenen Land werden und als Besitzlose die Verachtung und den Hass der Besitzenden zu spüren bekommen. Diese Wanderungsbewegung vom mittleren Westen in Richtung Pazifikküste hat es in den 30er Jahren tatsächlich gegeben. Nicht nur neue Agrartechniken, sondern die Folgen wirtschaftlicher Depression und verheerender Staubstürme waren Auslöser für diese Völkerwanderung innerhalb der USA des 20. Jahrhunderts. Auch wenn Steinbeck aus politischer Motivation heraus ein wenig übertrieben hat, manchmal a bissl zu weinerlich daherkommt und eine doch recht simple Botschaft formuliert (Gemeinsam seid Ihr stark!): Das Buch ist eine großartige Anklage gegen soziale Missstände und hat mich an das wesentlich ältere Werk „Der Dschungel“ von Upton Sinclair erinnert.
Außerdem passt die Thematik „Öko- und Wirtschaftsflüchtlinge“ heute wieder in die Zeit.
Es grüßt, und das sehr sehr sonnig
Sir Thomas