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Autor Thema: Clarín: Die Präsidentin  (Gelesen 1182 mal)

Offline thopas

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #30 am: 10. September 2017, 13:18 »
Leider komme ich nicht so schnell voran, wie ich gehofft hatte. Ich habe gerade das 14. Kapitel beendet. Das Umherirren von De Pas fand ich auch sehr atmosphärisch gelungen. Er wirkt wie in einem Fieberanfall.

Ich bin neugierig, wie die Kindheit und Jugend von De Pas war. Seine Mutter scheint eine extrem ehrgeizige und harte Frau zu sein.

Leider wartet wieder eine vollgepackte und anstrengende Arbeitswoche auf mich. Ich werde mir mit dem Buch wohl doch mehr Zeit lassen müssen...

Offline thopas

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #31 am: 10. September 2017, 15:34 »
So, nun habe ich auch das 15. Kapitel beendet, und es war ganz spannend zu lesen. Was war das denn nun für eine Frage, die du hattest, Zefira?

Ich habe übrigens in der spanischen Wikipedia gelesen, dass das Buch in zwei Teile mit jeweils 15 Kapiteln geteilt ist. Also bedeutet der größere Leerraum doch etwas. Komisch, dass das bei meiner Ausgabe unter den Tisch fällt...

Offline finsbury

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #32 am: 10. September 2017, 17:34 »
So, nun habe ich auch das 15. Kapitel beendet, und es war ganz spannend zu lesen. Was war das denn nun für eine Frage, die du hattest, Zefira?

Ich habe übrigens in der spanischen Wikipedia gelesen, dass das Buch in zwei Teile mit jeweils 15 Kapiteln geteilt ist. Also bedeutet der größere Leerraum doch etwas. Komisch, dass das bei meiner Ausgabe unter den Tisch fällt...
Auf die Frage von dir, @Zafira, bin ich auch gespannt.
Dieser Abstand zwischen den beiden Kapiteln ist durch die längere Zeitfrist, die dazwischen vergeht, erklärbar. Ob man hier gleich ganz teilen muss, weiß ich nicht: Ich finde nicht, dass sich die angelegten Handlungs- und Charakterelemente irgendwie ändern.
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Offline Zefira

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #33 am: 10. September 2017, 23:02 »
Es geht um de Pas' Jugend, speziell um eine Episode auf Seite 398. De Pas' Mutter verheiratet das "Kammermädchen" ihres Sohnes, Juana, mit Froilán, dem Geschäftsführer des "Roten Kreuzes", in Wirklichkeit ist er wohl mehr oder weniger nur ein Strohmann der Mutter. Als die Mutter ihm diese Ehe vorschlägt, glaubt Froilán "zu verstehen", "aber er war ein großer Philosoph und hielt sich nicht bei gewissen Äußerlichkeiten auf, die anderen so viel bedeuten".
Dann heißt es aber nach der Hochzeitsnacht:
"Die ist schön reingefallen, die Señora, dachte er und rauchte seine Pfeife. Wenn die wüßte! Aber natürlich verriet er Doña Paula nie das Geheimnis jener Nacht, in der er ganz andere Überraschungen erlebt hatte, als die Señora annahm. (...) Als sie sah, daß er so vergnügt war und ihr nicht das geringste nachtrug, hätte sie für ihr Leben gern eine Frage riskiert, und auch er, höchst zufrieden über den Betrug der Herrin, der zu seinem Vorteil ausgeschlagen war, hätte für sein Leben gern etwas gesagt. Aber beide schwiegen."

Wie deutet ihr diesen Absatz?
Hier fehlen sozusagen die Eckdaten. Normalerweise würde ich die Situation so interpretieren, dass Juana von de Pas verführt, evtl. sogar geschwängert wurde und deshalb dringend verheiratet werden musste, und Froilán hat genau das geahnt. Aber warum genau ist er dann hinterher derart zufrieden? Wenn sich in der Hochzeitsnacht herausgestellt hat, dass das Mädchen noch Jungfrau war, warum hat de Pas' Mutter sie dann überhaupt verheiratet? Hat das Mädchen behauptet, von de Pas verführt worden zu sein, obwohl das nicht der Fall war? Wenn ja, warum?
Vielleicht kommt ja später noch eine Erklärung - vielleicht wiederholt sich die Situation mit der jetzigen Dienerin Teresina. Ich kenne das Buch ja eigentlich schon, kann mich daran aber nicht erinnern.

ps. Ich bin übrigens bei Kapitel 20 angelangt, habe aber eine Woche mit dem Lesen ausgesetzt - ich war verreist und das Buch war mir zu dick und zu schwer zum Mitnehmen ... Jetzt muss ich zusehen, dass ich wieder einsteige.

Offline thopas

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #34 am: 11. September 2017, 06:57 »
Vermutlich lässt de Pas Mutter immer die jungen, hübschen Kammermädchen neben ihrem Sohn schlafen, damit er eventuelle Bedürfnisse befriedigen kann. Diese (nach ihrer Meinung) nicht mehr jungfräulichen Mädchen verheiratet sie dann irgendwann an jemanden, der stillschweigt. Froilan war wohl amüsiert herauszufinden, dass das Mädchen noch Jungfrau war und de Pas tatsächlich keusch. War wohl eher unüblich damals unter den Priestern.

Eine andere Erklärung fällt mir nicht ein. Evtl. hat finsbury noch eine Idee...

Offline finsbury

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #35 am: 19. September 2017, 17:53 »
Ich denke, es ist genau so, wie thopas es schreibt:
Die Mutter nimmt als sicher an, dass ihr Sohn sich das Dienstmädchen für erotische Dienste heranzieht, und kommt gar nicht auf die Idee, dass es anders sein könnte. Deshalb tauscht sie die Mädchen immer nach einer bestimmten Zeit aus, bevor eventuelle schlimme Folgen sichtbar werden könnten.
Übrigens habe ich diese Stelle völlig überlesen.
Ich habe momentan keinen Computer zur Verfügung, schreibe gerade bei jemand anders, melde mich wieder, wenn sich die Lage ändert.
« Letzte Änderung: 30. September 2017, 17:28 von finsbury »
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Offline thopas

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #36 am: 22. September 2017, 11:32 »
Momentan komme ich leider wieder gar nicht zum Lesen. Da ich das Buch wohl nicht, wie eigentlich geplant, bis Ende September fertig lesen kann, werde ich eine Pause einlegen und dann nach meinem Urlaub weiterlesen. Im Urlaub bin ich viel unterwegs und werde wohl auch nicht ins Internet kommen. Also lasse ich das Buch zuhause und werde dann ab Mitte Oktober weiterlesen. Ich wünsche euch viel Spaß bei der Lektüre  :winken:.

Offline finsbury

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #37 am: 23. September 2017, 14:43 »
Das passt mir ganz gut, @thopas. Erstens funktioniert mein PC nur zeitweise und zweitens muss ich auch für eine Leserunde im Mutterforum unterbrechen. Die wird relativ schnell abgehakt sein, aber vor Anfang Oktober geht es bei mir auch nicht weiter. Ich hätte nicht gedacht, dass die Präsidentin so eine zähe Angelegenheit ist.

Schönen Urlaub!
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Offline Zefira

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #38 am: 25. September 2017, 23:02 »
Ich pausiere auch gerade.
Fand die Lektüre auch ein wenig zäh (beim ersten Mal hat es mir weit besser gefallen ....), dann habe ich zwei andere Bücher dazwischengeschoben, u.a. "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert", und nach diesem Buch kommt einem die Präsidentin natürlich noch zäher vor.
Ich hoffe, den Einstieg wieder zu finden.

Grüße von Zefira

Offline Volker

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #39 am: 29. September 2017, 20:25 »
schade, dass Ihr "versumpft" seid, ich habe bei Euch - nicht im Buch - mitgelesen und finde das, was und wie Ihr schreibt, arg interessant. Vor meinem Urlaub hatte ich die feste Absicht, das Buch ueber die Stadtbibliothek zu bestellen, aber die Zeit haette nicht gereicht und jetzt seid Ihr - trotz Versumpfen - schon zu weit....Guckt mal, dass Ihr wieder in die Puschen kommt.
« Letzte Änderung: 29. September 2017, 20:36 von Volker »
if all you have is a hammer, all you see looks like a nail.

Offline finsbury

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #40 am: 1. Oktober 2017, 19:34 »
schade, dass Ihr "versumpft" seid, ich habe bei Euch - nicht im Buch - mitgelesen und finde das, was und wie Ihr schreibt, arg interessant. Vor meinem Urlaub hatte ich die feste Absicht, das Buch ueber die Stadtbibliothek zu bestellen, aber die Zeit haette nicht gereicht und jetzt seid Ihr - trotz Versumpfen - schon zu weit....Guckt mal, dass Ihr wieder in die Puschen kommt.

Aye, aye Sir!

Ich nehme die Lektüre des 20. Kapitels wieder auf und stecke mitten in einer stadt-umfassenden Intrige gegen Don Fermín, einerseits von seinem Intimfeind, dem Archidiakon, gezielt geschürt und gesteuert, andererseits vom Devotionalienhändler und Alkoholiker Barinaga und dem Atheisten Don Pompeyo hochgekocht. Man wirft von seiten der letzteren dem Generalvikar und seiner Mutter Geldscheffelei vor, von seiten des Archidiakons und seiner Clique sowie nun auch von Don  Alvaro Mesia, der zum Rivalen Don Fermíns mutierte, die Verführung der Präsidentin vor, wobei Don Alvaro nur auf die religiöse Verführung schaut, während der intrigante Archidiakon und seine Blase versuchen, Ana und Don Fermín ein wirkliches Verhältnis unterzuschieben.
Eigentlich gibt es in diesem Roman keine sympathischen Typen, alle sind sie vollendete Egoisten und kreisen nur um ihre eigenen Interessen, was, wie ich finde, auch für Ana selbst gilt.

Aber so sind wir Menschen halt auch  :zwinker:. Ich denke, ein bisschen übertrieben fies sind einige dargestellt, aber nah an der Realität. Gerade dieses klerikale Klima und die Atmosphäre der Triebsublimierung steigern hier noch das intrigante Klima.
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Offline Volker

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #41 am: 2. Oktober 2017, 12:02 »
DANKE! Das liest sich doch alles sehr interessant.
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Offline finsbury

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #42 am: 2. Oktober 2017, 17:33 »
Inzwischen habe ich das 21. Kapitel, eine rechte Idylle beendet.
Alle die bösen Intriganten  sind in der Sommerfrische und so dürfen Don Fermín und Ana ihre platonische Beziehung unbeobachtet genießen. Noch glaubt auch der Generalvikar - und glaubt vor allem das zu müssen, um sich Anas Zuneigung zu erhalten - , das Ganze als ideale ethisch-religiöse Beziehung weiter gestalten zu können. Aber eine Szene bei Kommunikantinnen in der Kirche, die er scheinbar gönnerhaft, aber doch lustvoll betatscht, zeigt, dass da wohl noch andere Untertöne in die Beziehung  mit Ana kommen werden.
Der arme Ehemann tut mir leid: Ana legt ihm mystische Schriften zum Lesen hin, die ihm mit Höllenqualen drohen, was sie noch unterstützt. Er ist ja aber eigentlich der harmlose ältere Dilettant, der sich vor allem gerne mit allem möglichen Kram beschäftigt, ohne jemandem damit wehzutun. Sein Fehler war eben nur, eine junge leidenschaftliche Frau zu heiraten, obwohl er selber im Bereich der Libido nicht der agilste Fisch im Teich ist.
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Offline Volker

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #43 am: 5. Oktober 2017, 16:27 »
Das wird ja immer schoener. Bitte weiterlesen und -schreiben. Danke.
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Offline finsbury

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Re: Clarín: Die Präsidentin
« Antwort #44 am: 5. Oktober 2017, 18:19 »
Das wird ja immer schoener. Bitte weiterlesen und -schreiben. Danke.

Nun, es wird immer pikanter! Nachdem die Sommerfrischler in die Stadt zurückgekehrt sind, geht die Hatz auf Don Fermìn wieder weiter. Besonders perfide: Das Sterben des alten Devotionalienhändlers, den Fermíns Mutter geschäftlich ausgebootet hat und der seitdem den Generalvikar leidenschaftlich hasst, wird von den anderen Hassern begleitet: Kaum einer bringt ihm was zu essen an sein Sterbebett, aber alle rennen rum und erzählen, wie grausam Don Fermín den Alten ans Hungertuch gebracht hat. Sie kommen nur vorbei, um zu sehen, ob er nun endlich den Löffel abgibt und machen dann ein großes Geschrei, weil er, der das Sterbesakrament verweigerte, jetzt in nicht geweihtem Boden begraben wird.

Es ist wirklich niemand sympathisch in diesem Roman: eine Festlektüre für jeden Misanthropen.
Morgen berichte ich weiter, bin in der Lektüre auch schon weiter, hab jetzt keine Zeit mehr.

Dass du, @thopas, erst ab Mitte Oktober wieder weiterliest, hast du ja geschrieben, aber wie sieht's mit dir aus, @Zefira? Jetzt, im letzten Drittel macht die Lektüre wieder viel Spaß, viel mehr als Madame Bovary. Clarín ist ein meisterhafter und richtig böser Satiriker.

Morgen geht es um den Rosenmontagsball... .
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