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Nicht kanonisch, modern, Generelles / Re: Preis der Leipziger Buchmesse 2017
« Letzter Beitrag von JHNewman am 26. Februar 2017, 20:16 »
Das dritte Buch war von Anne Weber 'Kirio'.



Es scheint wohl in jedem Jahr auf der Liste der Nominierungen wenigstens ein Buch zu geben, das mich völlig ratlos macht und mich fragen lässt, warum dieses Buch auf der Nominierungsliste steht. In diesem Jahr ist das dann wohl 'Kirio' von Anne Weber. In den Vorjahren war es Nis-Momme Stockmanns Roman 'Der Fuchs' (2016) und Ursula Ackrills 'Zeiden, im Januar' (2015).

Ich gebe gerne zu, an dieser Erzählung gescheitert zu sein. Nach 100 Seiten habe ich jedenfalls beschlossen, meine Lesezeit nicht weiter mit diesem Buch zu verbringen und habe nur noch den Schluss gelesen.

Erzählt wird die Geschichte des Jungen/Mannes Kirio, der lieber auf den Händen läuft statt auf den Füßen, der damit ein Zeichen für die Umkehrung der Verhältnisse setzt und als Fragesteller und 'Umkehrer' durch die Welt läuft. Dabei ist er eine Mischung aus tumbem Tor Parzival, Fürst Myschkin oder Heiligem Franziskus. Die Erzählung orientiert sich an Lebensstationen, die im Stil eines Schelmenromans betitelt werden. Dazu gibt es eine Erzählfigur, die allwissend berichtet, sich aber selbst ständig zum Thema macht. Neben dem märchenhaften und überaus überfabulierenden Ton der Erzählung war vor allem diese Erzählerstimmer für das größte Ärgernis. Sie macht ein ständiges Gewese um sich selbst ("Wer bin ich? Gibt es mich? Ich denke, es gibt mich doch...") und mischt sich unablässig aufdringlich in die Handlung ein.

Kein Buch für mich, man merkt's...  :breitgrins:

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Nicht kanonisch, modern, Generelles / Re: Preis der Leipziger Buchmesse 2017
« Letzter Beitrag von JHNewman am 26. Februar 2017, 20:08 »
Das zweite Buch von der Nominierungsliste war Natascha Wodins 'Sie kam aus Mariupol'



Das Buch ist der literarische Bericht einer Spurensuche. Natascha Wodin, die als Schriftstellerin in Deutschland ja keineswegs unbekannt ist, wurde 1945 als Kind russischer Zwangsarbeiter in Nürnberg geboren. Sie wuchs in Lagern bzw. Siedlungen für ehemalige Zwangsarbeiter auf, nach dem Tod ihrer Mutter später dann in Heimen. Über ihre Familie und deren Geschichte wusste sie nur das wenige, das sie als Kind von den Eltern erzählt bekam, wobei der Vater als Erzähler weitgehend ausfiel. Es war die Mutter, die wenige Einzelheiten erzählte, wobei die junge Natascha nicht immer zwischen Einbildung, Wahrheit und familiären Mythen und Wunschvorstellungen unterscheiden konnte. Ihre eigene Herkunft aus dem Zwangsarbeiterlager war ihr verhasst, weshalb sie sich früh davon distanzierte. Erst spät begann sie, sich auf die Spurensuche zu begeben und aus dem wenigen, was sie von ihrer Mutter wusste und an Dokumenten besaß, die Informationen herauszufiltern, anhand derer sie mehr erfahren konnte.

Das Ergebnis dieser Spurensuche ist dieses beeindruckende Buch, das mich je länger je mehr in seinen Bann geschlagen hat. Über das Internet und die dort hergestellten Kontakte zu Personen in der Ukraine gelingt es Natascha Wodin, nicht nur einen fast lückenlosen Stammbaum der Familie ihrer Mutter zu erstellen, sondern auch Kontakt zu noch lebenden Verwandten in der Ukraine und Russland aufzunehmen. Dabei werden Fotos und schließlich sogar ein Tagebuch ihrer verstorbenen Tante Lidia zutage gefördert.

Die Einzelheiten führen hier zu weit, aber es entsteht das lebendige Porträt einer Familie, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts fast ausschließlich Verfolgung, Leid, Angst, Hunger und Tod kennen gelernt hat. Der Großvater wird - obwohl aus großbürgerlicher Familie stammend - als Sozialist im zaristischen Russland verhaftet und inhaftiert, seine Kinder geraten in die Mühlen des Bürgerkrieges und der Kollektivierung, mit dem Einmarsch der Deutschen wird die Mutter Natascha Wodins als Ostarbeiterin nach Deutschland gebracht, wo ihr Leben unter Zwang und Entbehrung weitergeht.

Der Bericht ist glänzend geschrieben, mitunter schwer zu ertragen aufgrund der Brutalität und Grausamkeit der geschilderten Ereignisse. Natascha Wodin ist es wichtig, mit diesem Buch auch den Blick auf das Schicksal der Millionen Zwangsarbeiter zu richten, die in den Kriegsjahren in Deutschland ausgebeutet wurden.

Ihrer Meinung nach ist dies im kollektiven Gedächtnis der Deutschen ein bisher unterrepräsentiertes Thema.

Das Buch ist glänzend geschrieben, trotzdem habe ich einige kritische Anmerkungen:
Über weite Strecken werden im Buch Fotografien aus dem Familienbesitz beschrieben, die jedoch nur sehr klein und an anderen Stellen im Buch abgebildet sind. Warum wurde nicht alle beschriebenen Bilder aufgenommen und im jeweiligen Kontext abgebildet? Soll der Vorrang des Literarischen vor dem Dokumentarischen damit hervorgehoben werden? Mir erschloss sich das nicht, es hat die Lektüre unnötig erschwert.

Besonders im ersten Teil wird der recht komplexe Stammbaum der Familie entwickelt, die Erzählerin springt dabei immer wieder zwischen Teilen der Familie und unterschiedlichen Generationen hin und her. Hier wäre ein Stammbaum hilfreich gewesen. Während dieses Teils war ich kurz im Zweifel, ob ich das Buch weiter lesen wollte. Die Werbung für das Buch fokussiert sehr stark auf die Person der Mutter, in Wahrheit geht es aber doch um eine gesamte Familie.

Die Teile des Buches haben unterschiedliche Schwerpunkte und auch einen unterschiedlichen Aufbau. Während im Teil eins und zwei die komplexe Geschichte der Familie zum Teil etwas verwirrend ausgebreitet wird, widmet sich Teil drei dem Schicksal Lidias, das anhand des aufgefundenen Tagebuches erzählt wird. Teil vier beleuchtet dann wiederum die Geschichte der Mutter als Zwangsarbeiterin in Deutschland. Für diese unterschiedlichen Teile gilt jeweils eine sehr unterschiedliche Quellenbasis. Während Lidias Tagebuch eine recht genaue Kenntnis ihrer Lebensumstände vermittelt, gilt das nicht in gleicher Weise für Phasen im Leben der Mutter Natascha Wodins. Gleichwohl werden hier Vermutungen nicht selten zu Tatsachenberichten. Das empfand ich beim Lesen als etwas problematisch. Möglicherweise ist dies aber auch dem Genre eines literarisch verarbeiteten Lebensberichtes geschuldet.

Insgesamt aber ein aus meiner Sicht sehr lesenswertes Buch!
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Nicht kanonisch, modern, Generelles / Re: Was lest ihr gerade?
« Letzter Beitrag von GinaLeseratte am 25. Februar 2017, 12:07 »
Ich habe mit "Bei Lady Molly" von Anthony Powell begonnen.



Gleich auf den ersten Seiten liest Nick in einem Band des Pepys-Tagebuches und ein Abschnitt daraus ist zitiert. Köstlich! Ich freue mich jetzt schon, wenn ich im Tagebuch zu der Stelle komme. :breitgrins:

Das ist ja ein Ding!
Ich wünschte ich wäre schon soweit wie du !
Viel Freude beim Lesen.

Danke, die habe ich.  :smile:
Bei mir hat dafür Pepys schon seit einiger Zeit Pause, aber alles geht halt nicht.

Ich lese gerade Gedichte von Keats. Mir tun Gedichte in bedrängten Zeiten sehr gut. Ich finde Mirko Bonne hat wunderbar übersetzt.

Von Keats habe ich mal in einer Anthologie ein paar Gedichte gelesen, aber ich kann mich nur noch daran erinnern, dass in einem ein "Grasshopper" vorkam ...  :redface:

Nachtrag: Eben habe ich im Regal das Reclam-Büchlein "Werke und Briefe" von Keats entdeckt, auch in der Übersetzung von Mirko Bonné bzw. Christa Schuenke (Briefe). Das hatte ich ganz vergessen.  :smile:
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Klassiker als Hörbuch / Re: Kostenlose Hörbuch Downloads
« Letzter Beitrag von GinaLeseratte am 25. Februar 2017, 08:30 »
Ein Glück! Wäre ja echt dumm gewesen, wenn der letzte Teil fehlen würde.
 :klatschen:

Ja, zum Glück war er nur später verfügbar als sonst. -  Ich habe den Roman zwar mehrmals gelesen, aber jetzt wollte ich den Schluss schon auch hören und nicht nochmal lesen. :zwinker:
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Klassische Autoren und Werke / Re: Mittelhochdeutsche Lyrik
« Letzter Beitrag von sandhofer am 25. Februar 2017, 04:53 »
Hallo foxlover

Kannst Du uns ein bisschen mehr Infos geben, bitte? Für mich klingt's so gerade nach einer schlecht verstandenen Hausaufgabe im Deutschleistungskurs, sorry.

Grüsse

sandhofer
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Klassische Autoren und Werke / Mittelhochdeutsche Lyrik
« Letzter Beitrag von foxlover am 24. Februar 2017, 20:45 »
Schönen guten Abend an alle Mitglieder des Klassikerforums! :winken:
Ich hoffe jemand kennt sich ein bisschen mit mittelhochdeutschen Werken aus!
Und zwar bin ich auf der Suche nach einem mhd. Gedicht, welches das Frauenbild zu dieser Zeit wiederspiegelt.
Ich würde mich sehr über Antworten und natürlich ein paar nützliche Ideen freuen :jumpies:
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Nicht kanonisch, modern, Generelles / Re: Was lest ihr gerade?
« Letzter Beitrag von JMaria am 24. Februar 2017, 19:37 »
Ich habe mit "Bei Lady Molly" von Anthony Powell begonnen.



Gleich auf den ersten Seiten liest Nick in einem Band des Pepys-Tagebuches und ein Abschnitt daraus ist zitiert. Köstlich! Ich freue mich jetzt schon, wenn ich im Tagebuch zu der Stelle komme. :breitgrins:


Das ist ja ein Ding!
Ich wünschte ich wäre schon soweit wie du !
Viel Freude beim Lesen.


Ich lese gerade Gedichte von Keats. Mir tun Gedichte in bedrängten Zeiten sehr gut. Ich finde Mirko Bonne hat wunderbar übersetzt.

Überraschenderweise gibt es von der Übersetzung Auszüge auf DE-Gutenberg, wer mal reinlesen möchte...
http://gutenberg.spiegel.de/autor/john-keats-311
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Klassiker als Hörbuch / Re: Kostenlose Hörbuch Downloads
« Letzter Beitrag von JMaria am 24. Februar 2017, 19:33 »
Ein Glück! Wäre ja echt dumm gewesen, wenn der letzte Teil fehlen würde.
 :klatschen:
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Klassiker als Hörbuch / Re: Kostenlose Hörbuch Downloads
« Letzter Beitrag von GinaLeseratte am 24. Februar 2017, 08:33 »
7-teilige Lesung von Krieg der Welten
Neuübersetzung von Lutz-W. Wolff
Gelesen von Andreas Fröhlich

http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-radiotexte.shtml

Ich habe eben verzweifelt den 7. Teil gesucht. Gibt es den nicht als Download? Der müsste doch gestern gesendet worden sein ...  :confused:

Edit: Hat sich erledigt. Jetzt steht er bereit.  :klatschen:
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Nicht kanonisch, modern, Generelles / Re: Was lest ihr gerade?
« Letzter Beitrag von GinaLeseratte am 23. Februar 2017, 21:09 »
Ich habe mit "Bei Lady Molly" von Anthony Powell begonnen.



Gleich auf den ersten Seiten liest Nick in einem Band des Pepys-Tagebuches und ein Abschnitt daraus ist zitiert. Köstlich! Ich freue mich jetzt schon, wenn ich im Tagebuch zu der Stelle komme. :breitgrins:



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