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Gast


Autor Thema: La Religieuse - Die Nonne  (Gelesen 1341 mal)

Gronauer

  • Gast
La Religieuse - Die Nonne
« am: 31. Oktober 2013, 18:48 »
Nein, gesehen habe ich ihn noch nicht, aber viel gehört und gelesen. Und mich köstlich darüber belustigt. Nicht weil der Stoff so spaßig wäre, sondern weil offensichtlich niemand das Buch von Diderot gelesen, geschweige denn verstanden hat.

Der Film erzählt den Roman anscheinend so, wie er vordergründig geschrieben ist, nämlich als Leidensgeschichte der Heldin. Der Roman ist aber ursprünglich etwas ganz anderes: ein literarischer Scherz, den sich die Spötterseele Diderot mit einem mitfühlenden Zeitgenossen erlaubte. "La Religieuse" ist eine Ansammlung frei erfundener Berichte einer vollständig fiktiven Figur, die Diderot einem Brieffreund, der die Heldin für real hielt, übersandte, um sich - nun ja - an dessen Mitgefühl zu weiden. Allenfalls auf einer zweiten Ebene, auf der sich der Schabernack verselbständigte und schließlich sogar seinen Urheber zu Tränen gerührt haben soll, ist das auch als Anklageschrift gegen die Zustände hinter Klostermauern zu lesen.

Also, wen auch immer die Geschichte im Kino zu Tränen rühren sollte, mag daran denken: sie ist mindestens so viel Komödie wie Tragödie.


Gronauer

  • Gast
Re: La Religieuse - Die Nonne
« Antwort #1 am: 1. November 2013, 16:04 »
Nachtrag:

Die französische Wikipedia kennt die Episode.

Zitat
Lorsque, en 1760, Diderot commence la Religieuse, roman sous forme de mémoires rédigés à la première personne, qu’une religieuse échappée du couvent adresse au marquis de Croismare pour solliciter son aide, il s’agit en fait d’une mystification de ses amis qui voulaient attirer de nouveau à Paris le marquis qui s’était retiré chez lui en Normandie. En 1780, Diderot en reprend l’écriture ; les différents épisodes sont publiés en feuilleton, entre 1780 et 1782, dans la Correspondance littéraire. Le roman fut édité en 1796, au gré de la découverte de copies que Diderot, échaudé par ses ennuis passés, n’envisageait pas de publier de son vivant.

Also noch eine kleine Richtigstellung meinerseits: Diderot und seine Freunde wollten den alten Kumpan de Croismare mit einer rührseligen Geschichte aus dem "Exil" in der Normandie nach Paris zurücklocken.

Wenn man nur die eine Ebene der Geschichte aufgießt, bezweifle ich offen gesagt, dass man einem Denis Diderot damit gerecht wird.

 

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