Klassikerforum

Gast


Autor Thema: Das amerikanische Nature-Writing  (Gelesen 5265 mal)

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5047
Das amerikanische Nature-Writing
« am: 21. Januar 2012, 16:11 »
Hallo zusammen,

in der NZZ gibt es einen interessanten Artikel über das Genre "Nature-Writing", das wohl typisch amerikanisch sein soll und beinhaltet sowohl naturwissenschaftliche Abhandlung sowie auch philosophische Essay über Mensch und Natur; beginnend von Ralph Waldo Emerson über Henry David Thoreau bis in die Neuzeit, diverse Autoren wie Wallace Stegner werden genannt.

Das amerikanische Nature-Writing – ein unbekanntes literarisches Genre


Zitat:
In der englisch-amerikanischen Literatur hat sich im Laufe der letzten rund zweihundert Jahre ein Genre entwickelt, für das es im deutschsprachigen Raum weder eine Entsprechung noch einen Namen gibt: das nature writing .

so wird behauptet.

Alexander von Humboldt könnte doch in deutschen Landen dazugehören (? - ich habe ihn noch nicht gelesen und vermute es nur).
vielleicht tritt diese Art zu schreiben wirklich nur vermehrt in Amerika auf, wenn ich mir im obigen Artikel die genannte Literatur durchsehe.
 
Gruß
Maria
In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

Offline sandhofer

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6101
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #1 am: 21. Januar 2012, 16:40 »
Zitat:
In der englisch-amerikanischen Literatur hat sich im Laufe der letzten rund zweihundert Jahre ein Genre entwickelt, für das es im deutschsprachigen Raum weder eine Entsprechung noch einen Namen gibt: das nature writing .

so wird behauptet.

Alexander von Humboldt könnte doch in deutschen Landen dazugehören (? - ich habe ihn noch nicht gelesen und vermute es nur).

Eher nein. Mit Thoreau, Emerson, Whitman hat Humboldt nichts zu tun. Eher - die Verbindung von Naturbeobachtung, philosophisch verbrämter Mystik und Poesie betreffend - noch Alfred Brehm. Jedenfalls für das erste und das letzte. Allerdings ist die Verbindung von halbmystischem Naturdenken und -beobachten, das die drei genannten US-Amerikaner auszeichnet, im Deutschen wohl wirklich nicht zu Hause. Da ist man eher auf der einen oder auf der andern Seite. Da ich die übrigen genannten Autoren nicht kenne, bin ich mir aber nicht sicher, wie weit der Artikel nicht Entdecker, Naturwissenschafter und Dichter in einen Topf wirft, in dem sie nicht zusammen gehören.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5047
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #2 am: 22. Januar 2012, 16:55 »
Zitat:
In der englisch-amerikanischen Literatur hat sich im Laufe der letzten rund zweihundert Jahre ein Genre entwickelt, für das es im deutschsprachigen Raum weder eine Entsprechung noch einen Namen gibt: das nature writing .

so wird behauptet.

Alexander von Humboldt könnte doch in deutschen Landen dazugehören (? - ich habe ihn noch nicht gelesen und vermute es nur).

Eher nein. Mit Thoreau, Emerson, Whitman hat Humboldt nichts zu tun. Eher - die Verbindung von Naturbeobachtung, philosophisch verbrämter Mystik und Poesie betreffend - noch Alfred Brehm. Jedenfalls für das erste und das letzte. Allerdings ist die Verbindung von halbmystischem Naturdenken und -beobachten, das die drei genannten US-Amerikaner auszeichnet, im Deutschen wohl wirklich nicht zu Hause. Da ist man eher auf der einen oder auf der andern Seite. Da ich die übrigen genannten Autoren nicht kenne, bin ich mir aber nicht sicher, wie weit der Artikel nicht Entdecker, Naturwissenschafter und Dichter in einen Topf wirft, in dem sie nicht zusammen gehören.


ich kenne noch weniger von den genannten Schriftsteller. Whitman habe ich zum Teil gelesen. Aber sonst ....  :rollen:
Thoreaus "Walden..." habe ich mir letztes Jahr gekauft und wartet noch auf Lesezeit.

das Land hat natürlich auch eine Weite, von dem Deutschland nur träumen kann, vielleicht ist das auch ein Grund für diese Art zu schreiben. Beeindruckende Landschaften, viel zu Entdecken oder auch zu retten und zu bewahren.

LG
Maria
In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

Offline Lost

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1477
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #3 am: 22. Januar 2012, 18:45 »
Wenn da nicht Reinhold Messner seine Szene gefunden hat.  :breitgrins:


Offline sandhofer

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6101
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #4 am: 22. Januar 2012, 19:25 »
Aber sonst ....  :rollen:
Thoreaus "Walden..." habe ich mir letztes Jahr gekauft und wartet noch auf Lesezeit.

das Land hat natürlich auch eine Weite, von dem Deutschland nur träumen kann, vielleicht ist das auch ein Grund für diese Art zu schreiben. Beeindruckende Landschaften, viel zu Entdecken oder auch zu retten und zu bewahren.

Hm ... gerade "Walden" ist ein kleiner Teich, im Grunde genommen Vorstadt, schon zur Zeit Thoreaus ...  ;)
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline finsbury

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2373
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #5 am: 22. Januar 2012, 19:39 »
Hmmm, "Walden" habe ich mir 2007 im Ramsch bei Zweitausendeins zugelegt. Aber irgendwie finde ich nicht den richtigen Anreiz, mich mit dem Werk zu beschäftigen, wobei auch dein Vergleich mit dem Vorstadtteich nicht wirklich hilft, @sandhofer  :breitgrins:

finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline Lost

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1477
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #6 am: 22. Januar 2012, 19:44 »
Hmmm, "Walden" habe ich mir 2007 im Ramsch bei Zweitausendeins zugelegt. Aber irgendwie finde ich nicht den richtigen Anreiz, mich mit dem Werk zu beschäftigen, wobei auch dein Vergleich mit dem Vorstadtteich nicht wirklich hilft, @sandhofer  :breitgrins:

finsbury

Das ist schnell gelesen und mit Google Earth kannst du dir selbst ein Bild von der Gegend machen.

Offline finsbury

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2373
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #7 am: 22. Januar 2012, 19:55 »
Hmmm, "Walden" habe ich mir 2007 im Ramsch bei Zweitausendeins zugelegt. Aber irgendwie finde ich nicht den richtigen Anreiz, mich mit dem Werk zu beschäftigen, wobei auch dein Vergleich mit dem Vorstadtteich nicht wirklich hilft, @sandhofer  :breitgrins:


Das ist schnell gelesen und mit Google Earth kannst du dir selbst ein Bild von der Gegend machen.

Danke, dass du dagegenhältst, Lost!
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline Lost

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1477
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #8 am: 23. Januar 2012, 10:12 »

Danke, dass du dagegenhältst, Lost!


Ich möchte deine Erwartungen aber nicht zu hoch schrauben, es ist ein interessanter selbstreflektierende Bericht von einem Selbstversuch, aber die Wildnis ist eher Schrebergarten. Ich frage mich gegenwärtig ob T. jetzt Anhänger der Teeparty-Bewegung wäre.

Hier die geographischen Koordinaten des Sees:  N71° 20' 19", W42° 26' 21" (um diese Jahreszeit wurde früher dort  Eis gesägt, also keine Badehose einpacken)

Offline Sir Thomas

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1969
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #9 am: 23. Januar 2012, 10:33 »
Thoreaus "Walden..." habe ich mir letztes Jahr gekauft und wartet noch auf Lesezeit.

Hmmm, "Walden" habe ich mir 2007 im Ramsch bei Zweitausendeins zugelegt. Aber irgendwie finde ich nicht den richtigen Anreiz, mich mit dem Werk zu beschäftigen ...

Dieses Buch umschleiche ich seit Jahren. Vom Kauf hält mich meine Erinnerung an Emerson ab. Dieses esoterische Schwärmen hat mir die Bewegung der amerikanischen "Transzendentalisten" ziemlich verdächtig gemacht. Whitmans "Leaves of grass" bilden, so weit ich sie gelesen habe, eine Ausnahme, weil dort neben aller Naturverehrung auch das Individuum gefeiert wird und immer wieder die amerikanische Realität durchscheint. 

Gronauer

  • Gast
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #10 am: 24. Januar 2012, 15:20 »
Auf Thoreau war ich bei Hawthorne gestoßen, hauptsächlich im literarischen Umfeld der "Blithedale Romance". Die Neugierde brachte mir dann "Walden" ein, und das hätte ich besser bleiben lassen sollen. Ich fand das Buch unsäglich verschroben, die fromme Naturverklärung ging mir einfach gegen den Strich.

Ich glaube, irgend jemand hat einen ähnlichen Eindruck auch zu Rousseau geäußert: er ärgert sich über jeden Tag, an dem er nicht auf allen Vieren geht.

Offline Sir Thomas

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1969
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #11 am: 24. Januar 2012, 16:42 »
Die Neugierde brachte mir dann "Walden" ein, und das hätte ich besser bleiben lassen sollen. Ich fand das Buch unsäglich verschroben, die fromme Naturverklärung ging mir einfach gegen den Strich.

Tausend Dank für diese Einschätzung! Ich spare mir den Buchkauf.

Ich glaube, irgend jemand hat einen ähnlichen Eindruck auch zu Rousseau geäußert: er ärgert sich über jeden Tag, an dem er nicht auf allen Vieren geht.
 

 :breitgrins:

LG

Tom

Offline sandhofer

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6101
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #12 am: 24. Januar 2012, 16:49 »
Die Neugierde brachte mir dann "Walden" ein, und das hätte ich besser bleiben lassen sollen. Ich fand das Buch unsäglich verschroben, die fromme Naturverklärung ging mir einfach gegen den Strich.

Tausend Dank für diese Einschätzung! Ich spare mir den Buchkauf.

Thoreau hat auch den "Ungehorsam gegenüber dem Staat" erfunden und so Ghandi und Martin Luther King inspiriert. Es ist schon mehr als fromme Naturverklärung bei ihm (auch wenn die viel Raum einnimmt), es ist auch Rebellion gegen den Staat und seine Institutionen hinter Thoreaus Rückzug aus der Zivilisation.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Gronauer

  • Gast
Antw:Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #13 am: 24. Januar 2012, 16:54 »
Zitat
Thoreau hat auch den "Ungehorsam gegenüber dem Staat" erfunden und so Ghandi und Martin Luther King inspiriert. Es ist schon mehr als fromme Naturverklärung bei ihm (auch wenn die viel Raum einnimmt), es ist auch Rebellion gegen den Staat und seine Institutionen hinter Thoreaus Rückzug aus der Zivilisation.

Angesichts des Organisationsgrades, den die USA zu Thoreaus Zeiten hatten, trägt so eine Rebellion neurotische Züge. Ja, jetzt fällt sie mir auch auf: die Nähe zur Teaparty.
« Letzte Änderung: 30. Mai 2012, 15:47 von Gronauer »

Offline sandhofer

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 6101
Re: Das amerikanische Nature-Writing
« Antwort #14 am: 31. August 2014, 13:45 »
Weshalb ich damals auf die Frage, ob es deutsche Pendants zu Thoreau & Co. nicht an Brockes gedacht habe, weiss ich allerdings nicht. Der hat vieles von Thoreau, inkl. dem religiösen Hintergrund, auch wenn der Deutsche mehr Physikotheologe war denn Schwärmer...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

 

Weblinks

Facebook

Internes

Impressum & Kontakt Datenschutzerklärung