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Autor Thema: welche Pflichtlektüre in den 70ern?  (Gelesen 8106 mal)

Offline Hansen

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welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« am: 22. Juni 2011, 11:51 »
Hallo! Gibt es hier jemanden, der mir sagen kann was in den 70er Jahren im Deutschunterricht gelesen wurde (BRD)? Vielen Dank und liebe Grüße!

Offline Lost

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #1 am: 22. Juni 2011, 15:33 »
Ich erinnere mich an.

Brecht, Mutter Courage u.a.
Walser, Die Zimmerschlacht
Frisch, Herr Biedermann und die Brandstifter
Schiller, Die Räuber


das war aber alles keine Plicht sondern Kür, und das war das Beste daran in den Zeiten des Aufruhrs.

Offline Steffi

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #2 am: 23. Juni 2011, 12:14 »
Ende 70er, Anfang 80er:

Jakob Wassermann: Das Gold von Caxamalca
Schiller: Die Jungfrau von Orleans
Schiller: Wallenstein (alle drei Teile)
Schiller: Wilhelm Tell
Goethe: Iphigenie auf Tauris
Goethe: Faust I und II
Kleist: Prinz Friedrich von Homburg
Hölderlin: Der Tod des Empedokles
Hölderlin: Hyperion
Hauptmann: Der Biberpelz
Hauptmann: Die Weber
Novalis: Heinrich von Ofterdingen
Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts
Büchner: Woyzeck
Büchner: Lenz
Horvath: Jugend ohne Gott

... und noch weiteres. Im Prinzip aus jeder Literaturepoche etwas.

Gruß von Steffi

Offline Hubert

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #3 am: 26. Juni 2011, 03:36 »
In der BRD ist das ja von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich:

z.B. Rheinland-Pfalz:

Max Frisch: Biedermann und die Brandstifter
Shakespeare: Der Kaufmann von Venedig
Siegfried Lenz: Deutschstunde


z.B. Baden-Württemberg_

Gerhard Hauptmann: Bahnwärter Thiel
Kleist: Das Erbeben in Chili
Schiller: Wilhelm Tell
Max Frisch: Andorra


Bis auf Siegfried Lenz „Deutschstunde“ habe ich alles mit Begeisterung gelesen. Die „Deutschstunde“ habe ich aber, obwohl Abithema nicht zu Ende gelesen und dies auch bis heute, trotz mehrerer Versuche, nicht geschafft, obwohl imo Lenz ein lesenswerter Schriftsteller und die „Deutschstunde“ ein wichtiger Roman ist. Vielleicht sollte ich es mal in einer Leserunde probieren?

Offline Dostoevskij

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #4 am: 29. Juni 2011, 09:06 »
Moin, Moin!

Ende 70er, Anfang 80er:

Jakob Wassermann: Das Gold von Caxamalca

Auch so ein Vergessener...
Keep reading, Markus Kolbeck
Leipziger Bücherlei http://www.buecherlei.de/

Offline Lost

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #5 am: 30. Juni 2011, 10:43 »
Moin, Moin!

Ende 70er, Anfang 80er:

Jakob Wassermann: Das Gold von Caxamalca

Auch so ein Vergessener...


"Der Fall Maurizius" wurde als Fernsehserie in den 70igern oder 80igern gezeigt (ich erinnere mich noch, dass Heinz Bennent den Staatsanwalt spielte)  und MRR hat vor einigen Monaten kurz über Wassermannin in FAZ-online geschrieben.

Offline Erika

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #6 am: 11. August 2012, 09:35 »
Hallo,

Ende der 70er in NRW:
- Schiller: Kabale und Liebe
- Fred von Hoerschelmann: Das Schiff Esperanza
  http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schiff_Esperanza

Erika
Wer Klugheit erwirbt, liebt das Leben und der Verständige findet Gutes.
Sprüche Salomo 19,8

Gronauer

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #7 am: 3. September 2012, 14:40 »
Eine Oberstufe in Hessen, 1973-1976, ich erinnere mich, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, an

Deutsch: Goethe, Faust I und II; Schiller: Wallenstein; Sartre: Geschlossene Gesellschaft; Beckett, Warten auf Godot

Englisch: Shakespeare, Julius Caesar oder Macbeth (in unserem Falle Julius Caesar); Pinter: Tea Party.

Das ganze fand noch im Klassenverband statt. Zum Oberstufenprogramm gehörten im mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig drei Wochenstunden Englisch und fünf Wochenstunden Deutsch.

Offline sandhofer

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #8 am: 3. September 2012, 16:31 »
Deutsch: [...] Sartre: Geschlossene Gesellschaft; Beckett, Warten auf Godot

Öhm ... Deutsch, sagtest Du?  :confused:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline thopas

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #9 am: 4. September 2012, 11:42 »
Deutsch: [...] Sartre: Geschlossene Gesellschaft; Beckett, Warten auf Godot

Öhm ... Deutsch, sagtest Du?  :confused:

Könnte schon hinkommen. Meine Schwester hat Sartre auch im Deutschunterricht behandelt, allerdings nicht in den 70ern, sondern in den 90ern... Wir hingegen haben nur deutschsprachige Autoren gelesen; hängt wahrscheinlich vom Lehrer ab.

Viele Grüße
thopas

Gronauer

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #10 am: 4. September 2012, 12:06 »
Deutsch: [...] Sartre: Geschlossene Gesellschaft; Beckett, Warten auf Godot

Öhm ... Deutsch, sagtest Du?  :confused:

Jaja, schon richtig. Sonst wäre es Huis Clos gewesen...

Offline sandhofer

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #11 am: 4. September 2012, 12:32 »
Hallo zusammen!
 
Öhm ... Deutsch, sagtest Du?  :confused: 

Jaja, schon richtig. Sonst wäre es Huis Clos gewesen...

Könnte schon hinkommen. Meine Schwester hat Sartre auch im Deutschunterricht behandelt, allerdings nicht in den 70ern, sondern in den 90ern...

Oh, solche Dinge glaube ich sofort. Ich wollte ja auch nicht meinen Unglauben ausdrücken, sondern eigentlich mein Entsetzen. Ich weiss, dass es lange üblich war, womöglich auch heute noch üblich ist, sog. "Klassiker der Weltliteratur" im Deutschunterricht zu behandeln. Mit der renitenten Frage des Lehrers: "Wo, wenn nicht hier?" Ich weiss es nicht, lieber Lehrer. Wenn deine Schule kein Französisch anbietet oder nur mickriges, und keinen Leistungskurs (oder Freifach oder was immer) "Weltliteratur" - dann halt gar nicht. Bevor ich die Nase in die weite Welt halte und naseweis werde, sollte ich zuerst einmal im Eigenen sattelfest sein. Natürlich hatten Sartre oder Beckett Einfluss auf dieses eigene. Aber "Tauben im Gras" oder "Ehen in Philppsburg" oder "Seelandschaft mit Pocahontas" wären wichtiger. Um nur mal mehr oder weniger in derselben Epoche zu bleiben.
 
Grüsse
 
sandhofer
 
 
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Gronauer

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #12 am: 4. September 2012, 13:18 »
Ich denke, die "Seelandschaft" würde wegen einiger recht deftiger Kopulationen immer noch auf gewisse Bedenken stoßen.  :zwinker: Ich fürchte, sogar der Ausruf
Zitat
Atheist? - Allerdings!
könnte noch das eine oder ander Empören hervorrufen. Und wer könnte schon mit den literarischen Anspielungen bis hinauf zu Jean Paul überhaupt etwas anfangen?

Im Rückblick hast Du sicher recht, namentlich aus Sartre ist die Luft doch spürbar gewichen. Aber in der Wahrnehmung in der 1. Hälfte der 70er waren eben nicht Schmidt, Köppen (oder gar Thelen) relevant, sondern Sartre, Camus, Beckett, Böll, Grass, Enzenzberger, Walser, Frisch und Dürrenmatt. Und natürlich gab es subkulturell die Brechtologen, die Hesse-Sekten, die Burroughs-Gangs etc. pp.
« Letzte Änderung: 4. September 2012, 14:25 von Gronauer »

Offline montaigne

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Antw:welche Pflichtlektüre in den 70ern?
« Antwort #13 am: 4. September 2012, 21:04 »
Bevor ich die Nase in die weite Welt halte und naseweis werde, sollte ich zuerst einmal im Eigenen sattelfest sein. Natürlich hatten Sartre oder Beckett Einfluss auf dieses eigene. Aber "Tauben im Gras" oder "Ehen in Philppsburg" oder "Seelandschaft mit Pocahontas" wären wichtiger. Um nur mal mehr oder weniger in derselben Epoche zu bleiben.

 :klatschen: :klatschen: :klatschen: :klatschen:

Viermal klatschen, einmal für die grundsätzliche Einstellung und je einmal für die erwähnten drei Romane.

Offline montaigne

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Satre im Deutschunterricht?
« Antwort #14 am: 4. September 2012, 21:06 »
Im Rückblick hast Du sicher recht, namentlich aus Sartre ist die Luft doch spürbar gewichen. Aber in der Wahrnehmung in der 1. Hälfte der 70er waren eben nicht Schmidt, Köppen (oder gar Thelen) relevant, sondern Sartre, Camus, Beckett, Böll, Grass, Enzenzberger, Walser, Frisch und Dürrenmatt. Und natürlich gab es subkulturell die Brechtologen, die Hesse-Sekten, die Burroughs-Gangs etc. pp.

Wenn ich Sandhofer richtig verstanden habe und meistens verstehe ich ihn, dann hat er eben nicht gemeint, dass im Deutschunterricht die relevanten Autoren zu lesen seien, sondern dass französische Autoren nicht im Deutschunterricht zu behandeln sind und man im Deutschunterricht sich auf deutschsprachige Autoren beschränken soll – und da muss ich ihm absolut Recht geben. Und wenn einem Deutschlehrer Schmidt und Köppen nicht liegen, dann kann er ja Walser und Böll lesen, sollte sich aber fragen, ob er den richtigen Beruf gewählt hat,  und außerdem bin ich der Meinung, ein Schüler der Kleists Novellen nicht kennt, der braucht gar nicht zu wissen, dass auch die Franzosen gute Literatur verfasst haben (und damit meine ich ganz gewiss nicht Sartre).[Achtung Provokation]

 

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