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Autor Thema: Fundstücke  (Gelesen 16371 mal)

Offline Dostoevskij

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Re: Fundstücke
« Antwort #30 am: 26. März 2014, 16:22 »
Moin, Moin!

Entweder waren die jungen Männer eine Labsal für die Augen, aber wie ein kalter Guss für die Phantasie, oder ihre ansprechenden Geistesgaben waren unangemessen einquartiert. (Edith Wharton: Ein altes Haus am Hudson River)
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Offline BigBen

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Re: Fundstücke
« Antwort #31 am: 12. April 2014, 09:14 »
Heute in meinem Kalender: "Always read something that will make you look good if you die in the middle of it." (Lies immer etwas, dass Dich gut aussehen lässt, falls Du mittendrin stirbst.)  :breitgrins:
"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

Offline sinnfrei

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Re: Antw:Fundstücke
« Antwort #32 am: 23. September 2014, 22:20 »
Ein ganz und gar nicht satirisch zubereiteter Tatsachenbericht dazu von Bettina Weber im Tagesanzeiger, der Malte Wedings Blog bestätigt:


Wenn der Vater Vollzeit arbeitet, hat die Mutter schon verloren.

Den habe ich auch gelesen! Bringt es auf jeden Fall auf den Punkt!
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Offline Dostoevskij

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Re: Fundstücke
« Antwort #33 am: 20. April 2015, 08:24 »
Moin, Moin!

Gleich zu Beginn finde ich mein Fundstück der Woche. In der ZEIT-Rubrik 'Freitext' schreibt Feridun Zaimoglu über eine Frau, die plötzlich Gedichte liest bzw. eher über deren hilflosen Mann.

"Lebst du, dann schreibst du nicht, lebst du nicht, schreibst du, bist du Dichter, bist du tot, einfach wie Einmaleins und ABC."

"Mir ist wie Mischung aus Herzinfarkt und fünf Gläser Metaxa. Bin ich Tier? Mann und Gedicht ist wie Mann und Kosmetik".
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Offline Dostoevskij

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Re: Fundstücke
« Antwort #34 am: 1. März 2016, 03:49 »
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"Zu Melvilles Roman (Moby Dick) griff ich wieder, weil ich nach Eckers Bahnhof von Plön Angst vor einem Absturz hatte. Auf Höhen müssen Höhen folgen, oder wir zerknirschen. Uns wird übel. Man möcht' dann nur noch speien." (Alban Nikolai Herbst)
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Offline Dostoevskij

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Re: Fundstücke
« Antwort #35 am: 3. Mai 2016, 12:32 »
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"Ich trage den genetischen Defekt der Selbst­gerechtigkeit in mir. Das, was Moralistinnen eben so auszeichnet. Diese Eigenschaft ­befindet sich in einem Dauerbattle mit dem anderen Teil in mir, der hochgradig albern ist. Es gewinnt immer der, den zuletzt die Kraft verlässt." (Sibylle Berg im Interview)
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Offline Dostoevskij

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Re: Fundstücke
« Antwort #36 am: 18. Mai 2016, 14:42 »
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Was ist, wenn man übrig bleibt? - ein berührender Text über das Alter, über die Situation, wenn alle anderen wegsterben und man alleine zurück bleibt.

Passend dazu, falls ich ihn nicht schon erwähnt habe, Claudia Klingers Blogeintrag über ihren ersten Besuch in einem Pflegeheim, wobei unbedingt die Kommentare mitzulesen sind.
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Offline Dostoevskij

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Re: Fundstücke
« Antwort #37 am: 28. August 2016, 15:38 »
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"Weniger lesen, dafür doppelt: Wir lesen falsch. Wir lesen zu wenig selektiv und zu wenig gründlich. Wir brauchen einen anderen Umgang mit Lektüre: Plädoyer für eine radikale Buchkur."

Zitat
"Stellen Sie sich nun eine Buchlesekarte mit fünfzig Feldern vor. (...) Bevor Sie ein Buch lesen, müssen Sie ein Feld entwerten. (...) Es wird Ihnen unmöglich sein, eine neue zu beziehen. Ist die Karte  aufgebraucht, können Sie keine neuen Bücher mehr aufschlagen (...) und auch nicht Schwarzlesen. Fünfzig Bücher für das ganze Leben – für  viele Menschen ein 'non-issue', (...) eine entsetzliche Vorstellung.  Wie soll man mit so wenigen Büchern halbwegs zivilisiert durchs  Leben kommen?"
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Offline JHNewman

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Re: Fundstücke
« Antwort #38 am: 28. August 2016, 19:37 »
Moin, Moin!

"Weniger lesen, dafür doppelt: Wir lesen falsch. Wir lesen zu wenig selektiv und zu wenig gründlich. Wir brauchen einen anderen Umgang mit Lektüre: Plädoyer für eine radikale Buchkur."

Zitat
"Stellen Sie sich nun eine Buchlesekarte mit fünfzig Feldern vor. (...) Bevor Sie ein Buch lesen, müssen Sie ein Feld entwerten. (...) Es wird Ihnen unmöglich sein, eine neue zu beziehen. Ist die Karte  aufgebraucht, können Sie keine neuen Bücher mehr aufschlagen (...) und auch nicht Schwarzlesen. Fünfzig Bücher für das ganze Leben – für  viele Menschen ein 'non-issue', (...) eine entsetzliche Vorstellung.  Wie soll man mit so wenigen Büchern halbwegs zivilisiert durchs  Leben kommen?"

Herr Dobelli macht m. E. einen Grundfehler, wenn er erwartet, der Wert des Lesens und der Bücher bemesse sich an dem, was man daraus noch erinnere. Der Umgang mit guter Literatur hat ja nicht zum Ziel, möglichst viel abzuspeichern. Der Umgang mit Literatur kann - wenn es gelingt - zur Seelen-, Charakter- und Persönlichkeitsbildung beitragen. Er kann mir Zugang zu Gedanken und Erfahrungen vermitteln, die ich ohne den Weg der Literatur nicht machen würde. Und dabei ist es dann unerheblich, ob ich konkrete Handlungsstränge oder ähnliches aus den Büchern noch präsent habe.

Offline sandhofer

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Re: Fundstücke
« Antwort #39 am: 4. September 2016, 00:12 »
Moin, Moin!

"Weniger lesen, dafür doppelt: Wir lesen falsch. Wir lesen zu wenig selektiv und zu wenig gründlich. Wir brauchen einen anderen Umgang mit Lektüre: Plädoyer für eine radikale Buchkur."

Zitat
"Stellen Sie sich nun eine Buchlesekarte mit fünfzig Feldern vor. (...) Bevor Sie ein Buch lesen, müssen Sie ein Feld entwerten. (...) Es wird Ihnen unmöglich sein, eine neue zu beziehen. Ist die Karte  aufgebraucht, können Sie keine neuen Bücher mehr aufschlagen (...) und auch nicht Schwarzlesen. Fünfzig Bücher für das ganze Leben – für  viele Menschen ein 'non-issue', (...) eine entsetzliche Vorstellung.  Wie soll man mit so wenigen Büchern halbwegs zivilisiert durchs  Leben kommen?"

Herr Dobelli macht m. E. einen Grundfehler, wenn er erwartet, der Wert des Lesens und der Bücher bemesse sich an dem, was man daraus noch erinnere. Der Umgang mit guter Literatur hat ja nicht zum Ziel, möglichst viel abzuspeichern. Der Umgang mit Literatur kann - wenn es gelingt - zur Seelen-, Charakter- und Persönlichkeitsbildung beitragen. Er kann mir Zugang zu Gedanken und Erfahrungen vermitteln, die ich ohne den Weg der Literatur nicht machen würde. Und dabei ist es dann unerheblich, ob ich konkrete Handlungsstränge oder ähnliches aus den Büchern noch präsent habe.

Wobei wohl auch ein wenig Nostalgie dabei ist. Seit einigen Jahrzehnten sind wir aus einer Phase intensiven Lesens (wenige Bücher, die aber immer wieder) in eine Phase extensiven Lesens (viele Bücher, die aber nur einmal im Leben) übergetreten. Beides hat seine Vor- und seine Nachteile. Und die Erinnerung an einen konkreten Handlungsstrang ist darunter einer der geringsten.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Dostoevskij

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Re: Fundstücke
« Antwort #40 am: 19. Oktober 2016, 19:53 »
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Ohne Lesen stolpern wir durchs Leben (Audio). - "Lesen heißt eben auch, Nichtverstehen als Noch-Nicht-Verstehen auszuhalten. Und selbstverständlich irrt Andy Warhol, wenn er das Bildchengucken gegen das Lesen ausspielt. Wenn Glotzen nicht auch Deuten wird, nützt das Augenaufreißen nichts, hier wie da."
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Offline Dostoevskij

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Re: Fundstücke
« Antwort #41 am: 1. November 2016, 10:48 »
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Retweet: Luther kann froh sein, daß er seine Thesen veröffentlichen durfte, bevor die Leserkommentare erfunden wurden.

Retweet: "Bringst du Lebensmittel mit?" "Was brauchen wir?" "Einen Roman, ein Sachbuch und die Lyrikbände sind auch wieder alle..."
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Offline Dostoevskij

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Re: Fundstücke
« Antwort #42 am: 13. November 2016, 11:24 »
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Nihil novi sub sole oder Wie Lektüre einen an aktuelle Szenarien bzw. Probleme erinnern kann. In Ian McEwans "Honig" begegnen wir dem Terror der IRA, der Ölkrise und dem Jom Kippur Krieg. Die Lage wurde damals, wie auch zur Kubakrise einige Jahre zuvor, als bedrohlich empfunden. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation auch nicht so toll:

"Das britische Empire, unser Sieg im Zweiten Weltkrieg treiben uns um und beschämen uns Heutige, aber warum nur diese elende Stagnation in den Trümmern unserer großen Vergangenheit? Die Kriminalitätsrate schießt in die Höhe, die allgemeinen Umgangsformen sind im Niedergang, die Straßen verdreckt, Wirtschaft und Moral liegen darnieder, unser Lebensstandard ist unter den der kommunistischen DDR gesunken, wir sind gespalten, zerstritten und bedeutungslos. Unruhestifter träumen von Aufruhr und demontieren unsere demokratischen Traditionen, im Fernsehen wird nur entsetzlich albernes Zeug gezeigt, Farbfernseher sind zu teuer, und alle sind sich einig: Es gibt keine Hoffnung, das Land ist am Ende, unsere Ära in der Geschichte ist vorüber."

Wer regiert Großbritannien? (...) Die eigentliche Frage, das wusste das Land, lautete: wieder Heath oder wieder Wilson? (...) "Wer ist der Unpopulärere?", fragte ein Witzbold in einem Leitartikel. (...) Und so kam es, dass Edward Heath allen Vorhersagen zum Trotz (...) aus Downing Street ausziehen musste, und Harold und Mary Wilson für eine zweite Amtszeit zurückkehrten. (...) Alle waren müde, und (...) außerdem niedergeschlagen, weil das Land den Falschen gewählt hatte.

"Man forderte mich auf, etwas zum kürzlichen Beitritt Großbritanniens zum Europäischen Binnenmarkt zu sagen. Ich sei dafür, erklärte ich, das sei gut für die Wirtschaft, es werde unsere Isolation abmildern, unsere Esskultur verbessern."


« Letzte Änderung: 14. November 2016, 09:55 von Dostoevskij »
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