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Autor Thema: Tintoretto  (Gelesen 3286 mal)

Offline montaigne

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Tintoretto
« am: 25. Juli 2012, 19:13 »
Der venezianische Maler Jacopo Robusti (1518 – 1594) wurde nach dem Beruf seines Vaters, eines Seidenfärbers, Tintoretto (Färberlein) genannt. Er arbeitete kurze Zeit in der Werkstatt von Tizian, ab 1539 ist er als selbständiger Meister in Venedig tätig. 1565 wird Tintoretto Mitglied der nach dem heiligen Rochus von Montpellier benannten Scuola Grande di San Rocco, 1566 Mitglied der Florentiner Akademie.

In seiner Werkstatt hatte er den Spruch „Il disegno di Michelangelo ed il colorito di Tiziano“ (Die Zeichnung von Michelangelo und die Farbe von Tizian) aufgehängt, noch wichtiger als Zeichnung und Farbe ist bei Tintoretto aber die Lichtführung. Sie bestimmt den Bildaufbau und teilt die Fläche in verschiedene Segmente. Es ist kein statisches Licht, das wie ein Strahl einfällt, sondern ein dynamisches Licht aus einer nicht zu bestimmenden Quelle.

Heute gilt Tintoretto als der Hauptmeister des venezianischen Manierismus.

« Letzte Änderung: 9. August 2012, 03:27 von montaigne »

Offline montaigne

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Tintorettos Gemälde in Deutschland
« Antwort #1 am: 25. Juli 2012, 19:15 »

Offline montaigne

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Tintorettos Hauptwerk in der Scuola Grande di San Rocco
« Antwort #2 am: 25. Juli 2012, 19:17 »
Die Scuola Grande di San Rocco, im Stadtteil Sestiere San Polo in der Nähe der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari, ist die besterhaltene der sechs großen Scuole Venedigs. Hier hat Tintoretto 20 Jahre lang an einem Gemäldezyklus mit über 50 Werken gearbeitet. Dieser Gemäldezyklus, Tintorettos Hauptwerk kann dort auch heute noch täglich besichtigt werden und zeigt Tintorettos einzigartigen Stil der durch seine manieristisch verzerrten Formen und seine expressive Farbigkeit geprägt ist:

http://www.scuolagrandesanrocco.it/

Offline montaigne

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Tintorettos „L’Adultera“ in Fontanes gleichnamigem Roman
« Antwort #3 am: 25. Juli 2012, 20:18 »
Die Szene Jesus und die Ehebrecherin (L’Adultera) aus dem Johannesevangelium (Kap. 8, Vers 1-11) wurde von vielen Künstlern gemalt. Auch Tintoretto hat mehrere Versionen der Szene geschaffen. z.B.
http://galleriabarberini.beniculturali.it/index.php?it/183/tintoretto-cristo-e-ladultera

Eine andere Version aus der Gemäldegalerie Dresden soll Fontane in einem Vorentwurf seines Romans „L’Adultera“ als titelgebend verwendet haben. Zunächst wurde also keine Kopie aus Venedig, sondern eine aus Dresden erwartet.

Im veröffentlichten Roman greift Fontane dann auf eine Ausführung aus Venedig zurück:

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Pallucchini_Tintoretto_683_.jpg&filetimestamp=20090906192806

einer der jungen Kontoristen erschien in der Tür, um seinem Chef, unter gleichzeitiger Verbeugung gegen Melanie, einen Frachtbrief einzuhändigen, auf dem in großen Buchstaben und in italienischer Sprache vermerkt war: »Zu eigenen Händen des Empfängers.«
Van der Straaten las und war sofort wie elektrisiert. »Ah, von Salviati!... Das ist hübsch, das ist schön... Gleich die Kiste heraufschaffen! ... Und du bleibst, Melanie... Hat er doch Wort gehalten... Freut mich, freut mich wirklich. Und dich wird es auch freuen. Etwas Venezianisches, Lanni... Du warst so gern in Venedig.«
..................
»Nun, Lanni, wie findest du's?... Ich will dir übrigens zu Hilfe kommen... Ein Tintoretto.«
»Kopie?«
»Freilich«, stotterte van der Straaten etwas verlegen. »Originale werden nicht hergegeben. Und würden auch meine Mittel übersteigen. Dennoch dächt' ich...«
Melanie hatte mittlerweile die Hauptfiguren des Bildes mit ihrem Lorgnon gemustert und sagte jetzt: »Ah, l'Adultera!... Jetzt erkenn' ich's.


Das Originalgemälde hängt noch heute in der Gallerie dell'Accademia in Venedig:

http://www.gallerieaccademia.org/

Fontane konnte allerdings nicht wissen, was die italienische Kunsthistorikerin Paola Rossi herausfand, nämlich dass das Gemälde nicht von Tintoretto sondern von Johannes Rottenhammer stammt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Rottenhammer

Nun ja, die Qualität des Bildes leidet unter dieser Erkenntnis nicht.
« Letzte Änderung: 25. Juli 2012, 20:25 von montaigne »

Offline Friedrich-Arthur

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Antw:Tintoretto
« Antwort #4 am: 28. August 2012, 00:07 »
Also, wie dieser Maler Stoffe gemalt hat, davor verbeuge ich mich. Ich habe mal eine Tischdecke von ihm gemalt gesehen und garnicht mehr darauf geachte, was alles auf dem Tisch stand und darum herumlungerte... Leider habe ich nur wenig bisher im Original sehen können.
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.

Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

 

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