Klassikerforum

Gast


Autor Thema: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942  (Gelesen 14401 mal)

Offline GinaLeseratte

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 895
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #30 am: 23. Januar 2015, 17:34 »
Nein, die Biographie von Alexis Schwarzenbach kenne auch ich nicht. Angeregt durch Eure Beiträge und weil ich meinte, von jemandem gleichen Namens schon einmal irgendwo etwas gelesen zu haben, kramte ich meine Annnemarie-Schwarzenbach-Bücher hervor. Und was finde ich säuberlich zusammengefaltet in dem schönen Bildband Unsterbliches Blau über ihre Reise nach Afghanistan? Einen Zeit-Artikel aus dem Jahre 2008 verfasst vom Historiker Alexis Schwarzenbach über seine Großtante. Er beginnt so:

Zitat von:  Zeit-Artikel 2008
Bevor ich mit fünfzehn zufällig auf ein Buch von Annemarie Schwarzenbach gestoßen bin, wusste ich nicht, dass die Schwester meines Großvaters Schriftstellerin war. Sie sei früh an den Folgen eines Fahrradunfalls gestorben, hieß es nur. Ich hatte keine Ahnung, dass sie 1939 in einem Ford Cabriolet von Genf nach Kabul gefahren war. Und dass sie lesbisch, drogensüchtig und sehr zum Leidwesen ihrer hitlerbegeisterten Mutter [Renée Wille], Antifaschistin gewesen ist, wusste ich erst recht nicht…

Das ist ja interessant. Eigentlich sollte man meinen, dass eine reiselustige Schriftstellerin eher "Familiengespräch" ist, aber vermutlich passte sie nicht ins gewünschte Bild.

Ein Buch, von dem in diesem Thread, soweit ich sehe, noch nicht die Rede war: A.S.: Insel Europa. Reportagen und Feuilletons 1930-1942. hrsg. von Roger Peret. Lenos Verlag.
Sehr lohnend! Z. B. berichtet A.S. über den Schriftstellerkongress 1934 in Moskau, den sie mit Klaus Mann besucht  oder sie schreibt über den Anschluss Österreichs, den sie als Augen-und Ohrenzeuge miterlebt und über eine Fahrt durch das “befreite“ Österreich …   

Oh und noch ein interessantes Buch ...  :rollen:

Mit Klaus Mann war sie ja eng befreundet. Sie hat auch "Die Sammlung" finanziell unterstützt. Wenn ich mich recht erinnere, hat sie zwei oder drei kurze Rezensionen für die Zeitschrift geschrieben und Klaus Mann wiederum hat eines ihrer Bücher besprochen.

Gruß, Gina

Offline meier

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 342
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #31 am: 23. Januar 2015, 18:10 »
Zitat
Oh und noch ein interessantes Buch ...  :rollen:

Mit Klaus Mann war sie ja eng befreundet. Sie hat auch "Die Sammlung" finanziell unterstützt. Wenn ich mich recht erinnere, hat sie zwei oder drei kurze Rezensionen für die Zeitschrift geschrieben und Klaus Mann wiederum hat eines ihrer Bücher besprochen.

 :rollen:

soso
"Es gibt andere Geschichten auf einem andern Blatt Papier, doch jede ist mit der ersten verwandt" * Keimzeit

Offline GinaLeseratte

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 895
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #32 am: 15. Februar 2015, 12:02 »
Zwischen 1933 und 1940 hat Annemarie Schwarzenbach vier Mal für jeweils mehrere Monate den Orient bereist. In "Orientreisen" sind 22 ihrer Reisereportagen enthalten. Die Texte sind jedoch nicht chronologisch geordnet, sondern folgen ihren Reisewegen, die sie immer weiter Richtung Osten führten.

Mir hat "Orientreisen" insgesamt sehr gut gefallen, da Annemarie Schwarzenbach durch die bildhafte Sprache die Menschen und Orte fassbar macht und gleichzeitig eine faszinierende Atmosphäre schafft.
Leider sind in dem Buch nur wenige recht unscharfe Fotos enthalten, aber den Mangel gleicht "Auf der Schwelle des Fremden - Das Leben der Annemarie Schwarzenbach" locker aus.

In "Auf der Schwelle des Fremden" habe ich bisher nur die ersten Seiten gelesen, bin aber schon jetzt begeistert. Allein die unzähligen Fotos machen das Buch zu einem kleinen Schatz.  :sonne:

Gruß, Gina

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5047
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #33 am: 15. Februar 2015, 13:24 »

Mir hat "Orientreisen" insgesamt sehr gut gefallen, da Annemarie Schwarzenbach durch die bildhafte Sprache die Menschen und Orte fassbar macht und gleichzeitig eine faszinierende Atmosphäre schafft.
Leider sind in dem Buch nur wenige recht unscharfe Fotos enthalten, aber den Mangel gleicht "Auf der Schwelle des Fremden - Das Leben der Annemarie Schwarzenbach" locker aus.

In "Auf der Schwelle des Fremden" habe ich bisher nur die ersten Seiten gelesen, bin aber schon jetzt begeistert. Allein die unzähligen Fotos machen das Buch zu einem kleinen Schatz.  :sonne:

Gruß, Gina

Ich habe mir nun "Auf der Schwelle des Fremden" bestellt  :winken:

Gruß,
Maria
In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

Offline Gontscharow

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 442
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #34 am: 15. Februar 2015, 22:21 »
...
In "Auf der Schwelle des Fremden" habe ich bisher nur die ersten Seiten gelesen, bin aber schon jetzt begeistert. Allein die unzähligen Fotos machen das Buch zu einem kleinen Schatz.  :sonne:

Gruß, Gina

Ich habe mir nun "Auf der Schwelle des Fremden" bestellt  :winken:

Gruß,
Maria

Eine gute Entscheidung! Auch ich bin begeistert von der Biographie von Alexis Schwarzenbach.

Offline GinaLeseratte

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 895
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #35 am: 16. Februar 2015, 12:47 »
Ich habe mir nun "Auf der Schwelle des Fremden" bestellt  :winken:

Gruß,
Maria

Ich denke, das Buch wird Dir auch gefallen!  :winken:

Eine gute Entscheidung! Auch ich bin begeistert von der Biographie von Alexis Schwarzenbach.

 :klatschen:

Gruß, Gina

Offline GinaLeseratte

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 895
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #36 am: 17. Februar 2015, 09:49 »
In Zürich gibt es eine Ausstellung:
„Annemarie Schwarzenbach - eine Frau zu sehen“
19. März bis 1. Juni 2008

Zu dieser Ausstellung gibt es auf der Internetseite von Alexis Schwarzenbach (unter "Ausstellungen") eine Bildergalerie zur Ausstellung sowie zwei Videos. Sehens- und hörenswert!
http://alexisschwarzenbach.ch/index.php?id=30&lang=de

Gruß, Gina


Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5047
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #37 am: 18. Februar 2015, 13:12 »
In Zürich gibt es eine Ausstellung:
„Annemarie Schwarzenbach - eine Frau zu sehen“
19. März bis 1. Juni 2008

Zu dieser Ausstellung gibt es auf der Internetseite von Alexis Schwarzenbach (unter "Ausstellungen") eine Bildergalerie zur Ausstellung sowie zwei Videos. Sehens- und hörenswert!
http://alexisschwarzenbach.ch/index.php?id=30&lang=de


Mir gefällt die labyrinthartige Einteilung und wie die Fotos zur Geltung gebracht werden.
Danke für den tollen Link, Gina. So konnte ich virtuell den Strauhof besuchen  :klatschen:

Gruß,
Maria

In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

Offline GinaLeseratte

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 895
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #38 am: 28. Februar 2015, 14:02 »
Mir gefällt die labyrinthartige Einteilung und wie die Fotos zur Geltung gebracht werden.
Danke für den tollen Link, Gina. So konnte ich virtuell den Strauhof besuchen  :klatschen:

Gruß,
Maria

Ja, ich habe mir kurz die Möglichkeit einer Zeitreise gewünscht, um die Ausstellung noch ansehen zu können.  :smile:

Eigentlich wollte ich "Auf der Schwelle des Fremden" nebenher lesen, immer wieder mal ein paar Seiten, aber einmal angefangen, konnte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen. Ein tolles Buch! Sehr lesbar, übersichtlich aufgebaut und Leben und Werk ausgewogen dargestellt. Gut gefallen haben mir auch die "Rückblenden" zwischen den Kapiteln.

Aber das Ende, Annemarie Schwarzenbachs letzte Zeit nach dem Unfall, das hat mich wirklich erschüttert.

Gruß, Gina

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5047
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #39 am: 8. November 2017, 17:16 »
Im Rahmen des Klassikerforum-Wettbewerbs las ich in punkto „Klassische Reiseliteratur“ von Annemarie Schwarzenbach:

Winter in Vorderasien

Der Text ist gemeinfrei



Das Reisebuch umfasst den Zeitraum vom 15. Oktober 1933 bis 15. April 1934 und ist bereits 1934 in einem Züricher Verlag erschienen. Die Leser taten sich mit dem knappen journalistischen Ton, nach ihren Prosawerken und Essays, schwer und somit war das Buch damals nicht so populär, doch ihre Fotographien beeindrucken noch heute.

Doch auch ohne Bildband lohnt sich der Reisebericht.

1933 entsteigt Annemarie Schwarzenbach dem Zug am Istanbuler (Stambul) Bahnhof um an einer mehrmonatigen Expedition teilzunehmen.

15. Oktober 1933
Die Griechen haben das Wort erfunden, schwer und volltönend wie eine farbige Abendstunde vor dem Erlöschen: Melancholie.


Sie fahren per Zug (Taurus-Express) und Autokonvoi, wer teilnahm wird kaum von ihr nicht erwähnt, mal eine Abkürzung eines Namens.... Sie grenzt persönliche Gefühle ziemlich aus. Am eindrücklichsten wird sie, wenn es um das Elend geht, besonders Bettler und Kinder, da kann sie sich nicht gänzlich abgrenzen. Verständlich.

Die Route führt über Anatolien, Libanon, Israel, Syrien, Irak nach Persien.

Aleppo, Baalbek, Palmyra, Beirut, Byblos, Haifa, Jerusalem, Damaskus,  Ur, Babylon, Uruk, Besuch beim Archäologen Wolley,  Hamadan, Ekbatana, Teheran, Isfahan, Persepolis.... um nur einige Orte zu nennen.

Wundersame Orte, wunderbare Namen, voller Versprechungen orientalischer Märchen, Mystik und Historie, wobei nicht alles märchenhaft war.

So, wenn sie von einer Schar deportierter Kurdenkinder erzählt, von Mädchen und Buben, die vor Kälte mit den Zähnen klapperten. Da stockt dem Leser der Atem!

Noch ein Wort zu ihren Naturbeschreibungen, auch wegen ihrer lyrischen Art zu beschreiben lohnt das Buch:

Als wir bei einem Tell einen letzten Halt machten (der Hügel soll wie viele andere den Schatz des Alexander bergen), taten sich Mond und sinkende Sonne zusammen, und es entstand eine Fülle von wunderbar vielfarbigem Licht; der Himmel färbte sich dunkel, und Wolken standen neben den Gebirgen stählern und greifbar über der Ebene. Diese aber breitete sich wie ein samtener Teppich aus; das Licht floss in sanften Wellen über sie, und sie erwartete die Nacht.



Von mir eine Leseempfehlung !






In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

Offline GinaLeseratte

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 895
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #40 am: 8. November 2017, 18:36 »
Danke für die schöne Besprechung, Maria.

Einen kleinen Teil des Buches kenne ich aus dem Bändchen "Orientreisen". Ich weiß jetzt nicht mehr, welche Kapitel/Orte das waren, aber ich fand, in ihrer knappen Art hat Annemarie Schwarzenbach die Atmosphäre sehr gut eingefangen. Wirklich lesenswert.

Übrigens ist das ein schöner Zufall, dass du dieses Buch jetzt vorstellst: Ich bin letzte Woche beim Stöbern auf die Reisebeschreibungen von Vita Sackville-West und Gertrude Bell gestoßen und dabei kam mir natürlich auch Annemarie Schwarzenbach in den Sinn ...

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5047
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #41 am: 8. November 2017, 20:13 »
Winter in Vorderasien



Übrigens ist das ein schöner Zufall, dass du dieses Buch jetzt vorstellst: Ich bin letzte Woche beim Stöbern auf die Reisebeschreibungen von Vita Sackville-West und Gertrude Bell gestoßen und dabei kam mir natürlich auch Annemarie Schwarzenbach in den Sinn ...


Ja, das liegt nahe, dass dir dann auch Annemarie Schwarzenbach in den Sinn kam. Ginge mir nicht anders. Vita Sackville-Wests’ Persien-Reise habe ich gelesen, Gertrude Bells Bericht subt noch.

Übrigens auch Schwarzenbach erwähnt Gertrude Bell
Im Kapitel
Hilla, Birs Nimrud, Karbala, Uhaidir, Nadschaf, Kufa, Babylon

 „Bagdad 19. Februar“

Einige alte Reisebeschreibungen erwähnen Uhaidir in dunklen Zusammenhängen, auch nennen sie es eine »Stadt in der Wüste«, was durch die Ausdehnung und Zahl ihrer Räume berechtigt erscheint. Im 19. Jahrhundert war Uhaidir verschollen; der Franzose Massignon und fast gleichzeitig Miss Gertrude Bell haben es wiederentdeckt. Letztere hauste dort allein mit ihren arabischen Dienern und nahm genaue Pläne und Fotografien davon auf. Zwei Jahre später hat dann Oskar Reuter mit einigen Mitgliedern der Babylon-Expedition Uhaidir aufgesucht und eine schöne Publikation darüber herausgegeben.


Kürzlich kam auf ARTE eine Doku über Gertrude Bell. Leider nicht mehr online nachzuschauen, aber vielleicht wird es wieder mal ausgestrahlt.

Von Britannien nach Bagdad: Gertrude Bell
https://www.arte.tv/sites/de/das-arte-magazin/2017/08/11/gertrude-bell-mutter-des-irak-koenigin-der-wueste/
In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

Offline GinaLeseratte

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 895
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #42 am: 8. November 2017, 20:29 »
Super. Vielen Dank für Zitat und Link.

Ich habe vor Jahren einen sehr interessanten Beitrag über Gertrude Bell im National Geographic Magazin gelesen. Seitdem bringe ich sie unweigerlich mit der Region in Verbindung, kein Wunder. Von ihr gelesen habe ich allerdings noch nichts.

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5047
Re: Annemarie Schwarzenbach 1908 - 1942
« Antwort #43 am: 9. November 2017, 10:40 »
Hier geht es zu den Fotografien ihrer ersten Reise nach Vorderasien:

http://ead.nb.admin.ch/html/schwarzenbach.html


In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

 

Weblinks

Facebook

Internes

Impressum & Kontakt Datenschutzerklärung