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Aktuelle Leserunden / Re: Jakob Wassermann: Caspar Hauser
« Letzter Beitrag von Volker am Gestern um 21:29 »
Ja, Finsbury, die Frage, was zitiert ist und was Fiktion interessiert einen bei diesem Roman ganz besonders. Ich zitiere deshalb aus dem Text von Golo Mann, in der Hoffnung, dass man das darf (Newman). (der gesamte folgende Text ist original G.M., auch der zwischen den Bindestrichen, die Worte in Klammern und die ..... Puenktchen, sowie das und so weiter und so weiter. Anfuehrungszeichen im Originaltext habe ich allerdings weggelassen.):
"Wassermann hat die gruendlichsten Studien gemacht.Er hat alle Quellen benutzt, die ihm nur irgend zur Verfuegung standen; die amtlichen Protokolle,  - und wie wacker wurde im neuen Koenigreich Bayern protokolliert - , die Erinnerungen des Professors Daumer und des Pfarrers Fuhrmann, die Notizen und Briefe des Ansbacher Lehrers Mayer - er macht Lehrer Quandt daraus -, die Briefe des Freiherrn Tucher, der Raetin Behold, die in Wirklichkeit Frau Biberbach hiess, des Polizeileutnants Hickel und so weiter und so weiter.
Von den Quellen machte er den allererstaunlichsten Gebrauch. Ganze Dialoge wurden uebernommen. Was ich, als ich es zuerst las, fuer Erfindung hielt, Caspars fruehen Schlosstraum zum Beispiel, oder seine klaeglichen Streitereien mit Lehrer Quandt, der ihm seine Lueglein vorhielt, und um welchen Kleinkram es da gegangen war,  - An der Sache selbst ist ja wenig gelegen, aber Ihre fortgesetzte dreiste Behauptung laesst tief blicken....-, nicht einmal, sondern oft: kein Wort erfunden. Nicht erfunden die Worte des sterbenden Caspar: Gott wissen - Das ermuedete Haupt bittet um Ruhe - Geh jetzt bald fort aus dieser Lasterwelt - Ach, so abkratzen muessen in Schimpf und Schande - und noch mehr von solchen.
Anderes wurde gebraucht, jedoch abgewandelt oder mit Zusaetzen versehen. Zum Beispiel gibt es wirklcih den widerlichen Brief der Raetin Behold (Klara Biberbach) an die Lehrerin Jette Quandt (Mayer), voller Gift und Galle gegen den Juengling seitenlang, zuletzt aber versichernd, ein Plaetzchen im Herzen der Schreibenden behalte er dennoch. Eingefuegt hat Wassermann die Hauptbosheit und Luege: Es sei so viel von Caspars innocence die Rede gewesen, sie koenne aber versichern, dass er sich ihrer Tochter auf das Unmissverstaendlichste zu naehern vesucht habe. Es sind diese Saetze, die, als Quandt sie seinem Zoegling hoehnisch zeigt, den Caspar, anfangs so sehr menschenglaeubig, mit dem Aufschrei : Ach diese Menschen, diese Menschen enteilen laesst....Dagegen trifft es zu, dass die Raetin spaeter durch einen Sprung aus dem Fenster endete."
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Aktuelle Leserunden / Re: Jakob Wassermann: Caspar Hauser
« Letzter Beitrag von Zefira am Gestern um 20:02 »
Ich bin noch nicht so weit wie ihr, starte jetzt gerade mit dem letzten Kapitel des ersten Teils.
Caspar hat gerade Stanhope kennen gelernt und es sieht so aus, als könne sich alles für ihn zum besten weden, aber ich weiß ja schon, dass daraus nichts wird.
In der Caspar Hauser-Verfilmung "Jeder für sich und Gott gegen alle", die in meiner Jugend im Kino lief, war es so, dass Stanhope das Interesse an Caspar verlor, nachdem er ihn beim Stricken erwischt hatte. Das war für ihn eine "unzivilisierte Beschäftigung". Stanhope erschien in diesem Film, wenn ich mich richtig erinnere, reichlich gaga und irgendwie schmierig, wie ein alter Päderast.
Ich finde die Lektüre sehr bedrückend, weil Caspar fast in jedem Kapitel, um es volkstümlich auszudrücken, eins auf den Deckel bekommt. Er tut mir so leid, deshalb komme ich nur langsam vorwärts.
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Aktuelle Leserunden / Re: Jakob Wassermann: Caspar Hauser
« Letzter Beitrag von finsbury am Gestern um 19:52 »
Ich meine die gleiche Stelle, den Brief mit den Schilderungen von Hill und etwas weiter, wo es um den Friedhof und den Baum geht, vor dem Caspar niederstürzt und den er sozusagen anbetet. Aber ich rudere auch zurück: Nachdem ich die Stelle nochmal gelesen habe, sehe ich ein, dass sie keineswegs kitschig, sondern nur seltsam ist, aber so ist Caspar eben vermutlich auch historisch gewesen. Weiß jemand, ob die zitierten Briefe Originale oder Dichtung von Wassermann sind?
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Aktuelle Leserunden / Re: Jakob Wassermann: Caspar Hauser
« Letzter Beitrag von Volker am Gestern um 19:04 »
Danke, Gontscharow!, dass Du die Stelle gefrunden hast. Ich hatte es aufgegeben. x-mal habe ich das Briefkapitel durchgeguckt und den Brief von Binder nicht gefunden obwohl ich im Gedaechtnis hatte, dass ich nach dem Binder-Brief suchen muesste, aber ich habe ihn offenbar immer wieder uebersehen. Man will es ja nicht so gerne wahr haben, aber mit 80 ist man halt alt und da passiert wohl sowas.....Ich denke schon, dass Finsbury dieselbe Sache meint. Mir gefaellt, dass es hier unterschiedliche Meinungen gibt und schaetze die Beitraege von allen sehr. Es freut mich aber, dass Du mir hier beistehst, denn gerade zu dieser Stelle wolllte ich schon vorher etwas schreiben, habe es aber dann aus Traegheti des Herzens unterlassen. Dann war ich dankbar, dass Finsbury mich aufgeweckt hat. Deshalb Danke an Euch beide! Zefira, wann kommst Du denn aus Deinem Urlab zurueck? Deine Beitraege (zur Praesidentin) haben mir auch immer sehr gefallen.   
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Aktuelle Leserunden / Re: Jakob Wassermann: Caspar Hauser
« Letzter Beitrag von Gontscharow am 21. November 2017, 20:00 »
Ich fand die Stelle - die ich leider nicht wiederfinde - beim Lesen geradezu  modern geschrieben. Er erklärt und erlaeutert ja nichts, sondern schreibt ganz sachlich, was war.
Hallo Volker!
Die von dir gesuchte Textpassage befindet sich im Brief-Kapitel und dort im zweitletzten Brief "Binder an Feuerbach" In der Tat ist der Stil  alles andere als "romantisch" oder gar "sentimental" wie finsbury schreibt, sondern betont sachlich und nüchtern, denn  Binder berichtet, was ihm wiederum vom Gefängniswärter Hill über Caspar berichtet wurde. Diese Berichterstattung in der Berichterstattung  ist per se wenig dazu angetan, Gefühlsduselei aufkommen zu lassen : ...kam der Gefängniswärter Hill zu mir und berichtete, der Hauser sei gestern mittag nach eins bei ihm erschienen und habe gebeten, ihm die Kammer zu zeigen, worin er einst gefangen gewesen usw"(dtv., Seite 258) Möglicherweise beziehst du dich,@ finsbury ,auf eine andere Stelle?
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Rund ums Buch / Re: was tun gegen Bücher mit Kellergeruch?
« Letzter Beitrag von JHNewman am 21. November 2017, 08:14 »
Toll, Ihr seid wirklich ein Hort des Wissens und der Weisheit.  :klatschen:

finsbury: Ich meinte den Behälter mit Waschmittel. Ich weiß nicht, warum ich das Wort 'Trommel' im Kopf hatte. Vielleicht, weil die früher oft rund waren?  :zwinker:
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Aktuelle Leserunden / Re: Jakob Wassermann: Caspar Hauser
« Letzter Beitrag von Volker am 20. November 2017, 21:05 »
Schoen dass wir einig sind. In EINEM Punkt aber offenbar doch nicht(?). Ich fand die Stelle - die ich leider nicht wiederfinde - beim Lesen geradezu  modern geschrieben. Er erklärt und erlaeutert ja nichts, sondern schreibt ganz sachlich, was war.
Was mir danach besonderen Eindruck gemacht hat, ist die Schilderung der zwei Sellen in Quandts Brust. Das Kapitel - und andere - widerlegt m.E. auch die ziemlich negative Sicht von M. Reich- Ranicki auf Wassermann, der durchaus ueber Humor und Ironie verfuegt. Man muss dazu allerdings etwas zwischen den Zeilen lesen. 
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Aktuelle Leserunden / Re: Jakob Wassermann: Caspar Hauser
« Letzter Beitrag von finsbury am 20. November 2017, 19:48 »
Ich stimme dir durchaus zu, @Volker, dass das eine Schlüsselstelle ist und interpretiere sie auch genauso wie du. Sie wirkt sprachlich eben nur so, wie die Romantiker geschrieben haben, und 100 Jahre später ist das halt  epigonal und anders, als Wassermann sonst hier schreibt. Aber der Vergleich mit Jean Paul birgt eben genau auch die Qualität des Ereignisses, die du oben ansprichst: Kaspar befindet sich hier in einem tiefen Erkenntnisprozess, das meinte ich mit der All-Anspielung.

Bin kaum weiter gekommen, jetzt im Kapitel: "Joseph und seine Brüder".
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Rund ums Buch / Re: was tun gegen Bücher mit Kellergeruch?
« Letzter Beitrag von finsbury am 20. November 2017, 19:39 »
Tolle Tipps, danke, probier ich auch mal bei meinen alten Schätzen.
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Rund ums Buch / Re: was tun gegen Bücher mit Kellergeruch?
« Letzter Beitrag von Zefira am 20. November 2017, 11:33 »
In einem Fernsehquiz, das ich zufällig geguckt habe, ist die Entmüffelfrage kürzlich aufgetaucht. Da wurde empfohlen, das Buch einfach eine Zeitlang zusammen mit einem (offenen) Näpfchen mit Backpulver in einen Container zu packen.
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