Beiträge von louzilla

    Danke für die Blumen [Blockierte Grafik: http://www.smilies.4-user.de/include/Verlegen/smilie_verl_029.gif] und den Tipp! Es ist ein bisschen schade, dass man mehr oder weniger für sich allein schreibt. Aber es ist schon klar, dass, wenn die Lektüre lange her ist, man sich kaum noch an den Inhalt erinnern kann. Ich kriege ja kaum noch Details zusammen von Büchern, die ich vor ein paar Monaten gelesen habe. Und viele lesen hier so interessante Bücher und ich kann gar nichts dazu schreiben, weil ich sie nicht kenne - ein Jammer.

    Noch eine Ergänzung:


    Die drei Hauptcharaktere Bernard, Helmholtz und John sind äußerst interessant. Spontan viel mir folgender Vergleich ein: Hund, Katze, Maus. Alle mit Intelligenz gesegnet, alle weichen von der Norm ab, wissen, dass sie nicht in das System passen. Trotzdem agieren sie grundverschieden:
    Bernard, ein Opportunist in Reinkultur, für den es nur ihn selbst gibt, kennt weder Freund noch Stolz. Ein widerlicher Mitläufer.
    Helmholtz, ruhig besonnen, großmütig, erkennt und begreift die Chance, die sich ihm mit der Umsiedlung auf eine Insel zu Gleichgesinnten bietet.
    John wird aggressiv, auch gegen sich selbst, überreagiert mit Abwehr und Flucht.


    Dies zeigt, dass Charakter und ethische Wertmaßstäbe nicht von der Intelligenz und kaum von der Erziehung abhängen.

    Huxleys "schöne neue Welt" ist gelesen :smile:.


    Firiath : Ich fand's nicht mühsam zu lesen, im Gegenteil. ich habe es eigentlich verschlungen. Was ich interessant fand, sind die Rezensionen, die ich im Nachhinein gelesen habe. In denen kommt die Neuübersetzung ziemlich schlecht weg. Da ich aber nur diese kenne (und das auch nicht ändern werde), kann ich dazu lediglich sagen, dass ich an zwei Stellen gedacht hab, dass da vermutlich die Übersetzerin betrunken war.

    Jetzt hab ich's doch schneller beendet als geplant, weil die Lektüre einfach spannend war. Ich ergänze meine obigen Ausführungen:


    Am faszinierendsten fand ich die Aussagen von Mustafa Mond. Er erklärt im Grunde das ganze Ideenkonstrukt, dass sich der menschlichen Natur anpasst und sie sich gleichzeitig zunutze macht. Alles andere ist zwar unglaublich interessant aber an sich wird nur an der Oberfläche gekratzt, nichts wird gedanklich oder beschreibend zu Ende geführt.
    Das größte Problem ist meiner Meinung nach die angenommene Existenz von Gott, denn auch Ford ist Gottersatz und damit stellt sich Huxley sozusagen selbst ein Bein. Gott ist ein Konstrukt, um unter anderem dem Leben (vermeintlichen) Sinn zu geben, Unerklärliches zu erklären und um mit der Angst vor dem Tod umzugehen. Dies alles ist in Huxleys Welt nicht existent, also ist die Existenz eines höheren Wesens absurd. Auch die völlig übertriebenen religiösen Handlungen der Wilden, insbesondere von John (zum Beispiel dessen Selbstgeißelung) ergibt überhaupt keinen Sinn. Er will büßen - für was denn? Warum beschimpft er geifernd Lenina und tötet (?) sie? Weil sie promisk ist und ihn haben will? Na und? Er müsste doch erkennen, so wie er vieles andere erkennt, dass sie nicht anders kann. Lindas Tod ist ebenfalls inkonsequent. angeblich ist der Somatod doch angenehm - woher kommt dieses Grauen in ihrem Blick, als sie stirbt? Soll das dem Leser zeigen, dass der Tod doch zu fürchten ist und er einen Gott braucht?
    Was ich wirklich amüsant fand, ist das beschriebene Experiment mit einer Gesellschaft aus lauter Alphas (hochintelligenten Menschen), das zum Scheitern verurteilt ist. Der Schluss, der daraus gezogen wird (Eisbergstruktur der Intelligenzgrade) stellt im Grunde übertrieben das dar, was heute keiner mehr wahrhaben will, aber schon immer Realität ist, der man Rechnung tragen muss.
    Der Wert des Romans liegt für mich in dem Denkanstoß, sich zu fragen, ob es sich um eine Utopie oder Dystopie handelt.

    Ich bin etwa zu 2/3 durch und muss den Roman nun leider für ein paar Wochen beiseite legen, weil andere (Termin-)Leseprojekte ab morgen anstehen. Nichtsdestotrotz möchte ich gerne meine bisherigen Eindrücke schildern, so lange sie noch frisch sind.


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    Beschreibung


    1932 erschien eines der größten utopischen Bücher des 20. Jahrhunderts: ein heimtückisch verführerischer Aufriss unserer Zukunft, in der das Glück verabreicht wird wie eine Droge. Sex und Konsum fegen alle Bedenken hinweg und Reproduktionsfabriken haben das Fortpflanzungsproblem gelöst. Es ist die beste aller Welten – bis einer hinter die Kulissen schaut und einen Abgrund aus Arroganz und Bosheit entdeckt.


    Meine Meinung bisher


    Egal, wie und wohin wir uns entwickeln, die menschliche Natur ist nicht auszumerzen! :breitgrins:


    Huxley entwirft für mich eine gar nicht so utopische Zukunft. Man muss nur die menschlichen Bestrebungen genau beobachten und extrapolieren, dann landet man in Huxleys schöner neuen Welt: Sauberkeitswahn und die damit verbundene Keimfreiheit und Geruchslosigkeit, immer zur Verfügung stehender Sex ohne quälende Emotionen,Kontrolle über die Natur, Hierarchiedenken, Kollektivwahn, unbegrenzter und nebenwirkungsfreier Konsum von Drogen, sofortige Bedürfnisbefriedigung, Konsumsucht, Schönheits- und Jugendwahn, Körperkult, Bequemlichkeit, verantwortungslose Dauerbespaßung, Glückszwang, Reproduktion ohne lästige Schwangerschafts-, Geburts- und Erziehungsmühen. Was will man mehr?
    Und wenn man an George Orwells "1984" und Juli Zehs "Corpus Delicti" denkt, muss man feststellen, die Utopien ähneln sich und wir sind gar nicht soweit entfernt, uns freiwillig der Diktatur des Fortschritts zu unterwerfen, ja danach zu verlangen.
    Es gibt allerdings so Manches im Roman, das finde ich inkonsequent: Da hat man die totale Reproduktionskontrolle und die Welt ist völlig überbevölkert, was ich aus den Beschreibungen von Massenveranstaltungen und von Gebäuden gigantomanischen Ausmaßes schließe. Trotzdem scheint jeder jeden zu kennen.
    Das Reservat der Wilden und deren Gebaren wird für meinen Geschmack zu überzogen dargestellt.
    Insgesamt wird zu wenig erklärt. Was sind die ganzen Spiele, die die Menschen spielen (Treppen-Squash, Magneto-Golf)? Wie kann man ein Reservat besuchen, ohne dass die Wilden auf die Besucher reagieren? Wie konnte Linda schwanger werden? Wie und wann sterben eigentlich die Menschen und wer bestimmt das (das wird aber vielleicht noch erklärt)? Wie kann sich plötzlich ein perfekt konditionierter Mensch verändern und von seinen archaischen Emotionen übermannt werden (die sich verliebende Lenina)? Auch finde ich den Protagonisten Bernard zu dumm gezeichnet. Er (Alpha, mit Intelligenz gesegnet) ist doch einer, der nicht in dieses System passt und sich nach dem Echten sehnt und trotzdem dient er hündisch dem System für ein bisschen Anerkennung, sobald sich die Chance bietet. Aber vielleicht soll das ja nur die Schwäche der menschlichen Natur hervorheben...
    Auch die Ökonomie und Ökologie sind völlig unklar. Wie ist der totale Konsum möglich? Und die Folgen dessen werden völlig ausgeblendet.
    Eine Chance (für die Handlung) sind Linda und John. Die eine ist jahrelang der Natur ausgesetzt (was sich vor allem in ihrem körperlichen Verfall manifestiert), der andere ist in und mit der Natur aber als Außenseiter aufgewachsen. Beide werden in die schöne neue Welt gebracht. Ich bin gespannt, was daraus noch erwächst!

    finsbury : "blueprint" wurde oft in der Schule gelesen, ich selbst kenne es aber nicht (in meiner Schulzeit haben wir leider keine Jugendbücher gelesen, nur Klassiker). Bin gespannt, wie du es findest.


    Ich bin dabei, eine weitere echte Bildungslücke zu schließen und lese mein zweites Listenbuch: Aldous Huxley - Schöne neue Welt

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    Bereits die ersten Seiten entwerfen ein fulminantes Szenario, das auch noch gut erzählt wird, deshalb freue ich mich auf die weitere Lektüre!

    Leider kann ich's nicht mit anderen Werken von Wells vergleichen, weil "Der Unsichtbare" mein erster Roman von ihm ist, den ich gelesen habe. "Die Zeitmaschine" kenne ich als Film und die Ideen, die drin stecken, finde ich faszinierend. Von daher wird es auch nicht mein letztes Buch von Wells gewesen sein! :winken:

    Mmmh, sein Stil - ich habe deshalb noch nichts darüber geschrieben, weil ich mich selbst nicht zu einem abschließenden Urteil durchringen kann.


    Im ersten Teil des Romans, als der Unsichtbare sich in einen Gasthof einquartiert und versucht, seine Unsichtbarkeit rückgängig zu machen (genau wird das ja gar nicht genannt, er forscht nur wie ein Verrückter und seinem dauernden Fluchen nach nicht erfolgreich) fand ich Wells' Stil wenig ansprechend. Ich fühlte mich stark an Kellers Novelle "Kleider machen Leute" erinnert, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Und was mich da bei beiden Werken stört, ist die Sprachlosigkeit der Protagonisten. Trotzdem hat mich die Geschichte gleich gefangen genommen, weil sie unheimlich spannend ist und man wissen möchte, wie der Unsichtbare seinen Zustand hergestellt hat und wie er ihn einsetzen will.
    Später, als er seinem Kollegen die Vorgeschichte erzählt, fand ich es stilistisch besser. Das liegt vielleicht daran, dass der Protagonist differenzierter gezeichnet wird und endlich spricht und nicht nur flucht und niest.


    Ich kann Wells' Sprachstil gar nicht richtig beschreiben: Er ist eher sachlich effizient und mir manchmal zu reduziert und zu ruppig (?).


    Die Comic- bzw. Filmfigur kenne ich gar nicht und darüber bin ich froh. Denn was ich an diesem Roman richtig gut gelungen finde, ist die messerscharfe Analyse der menschlichen Natur (die ihre ganze Tragweite erst im Nachwort findet), den damit verbundenen Seitenhieb auf die (Natur-)Wissenschaften und den differenzierten Blick auf ein viel zu positiv bewertetes Wunschdenken.

    Der Unsichtbare

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    Beschreibung
    Unsichtbarkeit, das ist die Faust, die man nicht kommen sieht – Macht über andere.
    H.G. Wells' berühmter Roman läßt diesen Menschheitstraum zur grauenvollen Realität werden.


    Meine Meinung
    Inhalt: Ein junger Physiker - man kann ihn gleichzeitig für genial und wahnsinnig halten - hat es geschafft, sich unsichtbar zu machen - irreversibel. Zunächst ist er voller Euphorie und böser Pläne, bis er schnell merkt, dass sein Zustand auch mit erheblichen Nachteilen verbunden ist. Er forscht daran, seine Unsichtbarkeit rückgängig zu machen, wird aber schließlich von seiner Umwelt "enttarnt" und flieht nach einigen Verwicklungen zu einem ehemaligen Kollegen, dem er seinen Plan unterbreitet, mit dessen Hilfe die Weltherrschaft an sich zu reißen. Es kommt zum finalen Kampf zwischen den Wissenschaftlern.


    Nicht erst seit Gunther Brunhild narrte,scheint es ein Menschheitstraum zu sein, unsichtbar und damit unentdeckt eigene Pläne zu verfolgen, und damit - letztenendes geht es nur darum - Macht über andere zu erlangen. Wells zeigt mit seinem Roman, dass Unsichtbarkeit mindestens genauso große Nachteile mit sich bringen kann.
    Alles in allem ein interessantes Gedankenspiel und ein bis zum Schluss spannender Roman, der Einblicke in menschliche Abgründe gibt und keinen Zweifel offen lässt, dass die Menschheit, wenn ihr die Möglichkeit gegeben wird oder sie sie selbst herausfindet, ihre Erkenntnisse gnaden- und skrupellos einsetzen wird.

    Tatsache! Das andere Aussehen hat mich in die Irre geführt :redface:. Aber die Formatierung ist anders; habe es nämlich mit der drübigen Formatierung versucht.


    Jedenfalls ist das kleine Manko behoben. Danke für den Hinweis!

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    H. G. Wells: Der Unsichtbare
    Es ist das erste Werk aus meiner SuB-Liste und ich erhoffe mir eine interessante Lektüre, die sich deutlich von meinen bereits gelesenen SuB-Listen-Büchern "drüben" abhebt.


    (Ich hätte ja gerne zum Cover auf Amazon verlinkt, aber den Button gibt es gar nicht. Wie wird das hier denn gemacht?)

    Eines davon habe ich in einer Leserunde gelesen: Fitzek - Das Paket. Sonst (noch) keins.
    Juli Zehs Unterleuten liegt auf meinem SuB. Vielleicht kommt ja hier einmal dazu eine kleine Leserunde zustande?
    Mit dem goldenen Handschuh hatte ich mal geliebäugelt, allerdings eher aus nostalgischen Gründen, weil ich den sehr gut kenne :breitgrins:. Und weil ich von Strunck schon ein sehr gutes Hörbuch gehört habe (Fleisch ist mein Gemüse).


    Ich hab jetzt auch den Bergkristall zur Hand genommen. Liest sich ja sehr schön.


    Ja, gell? Anfangs muss man sich etwas einfinden, aber dann ist es wirklich schön. Die Erzählung hat einen ganz eigenen Rhythmus bzw. Ton. Auch fand ich sie spannend, ich habe mit den Kindern unglaublich mitgelitten und war am Ende zu Tränen gerührt (!). Aber das liegt vielleicht daran, dass heute Weihnachten ist [Blockierte Grafik: http://www.cosgan.de/images/smilie/xmas/a022.gif].


    Hab mir überlegt, ob ich noch mehr von Stifter lesen würde: Also einen 800-Seiten-Roman würde ich nicht durchhalten, aber ich werde bestimmt mich noch an seinen anderen Erzählungen vergreifen.

    Bin ziemlich genau zur Hälfte durch. Gerade finde ich es ziemlich spannend!


    Es hat allerdings ein Weilchen gedauert bis ich Folgendes verstanden habe:
    Mitternacht = Norden
    Mittag = Süden
    Morgen = Osten
    Abend = Westen


    Und was das Lesen wirklich erschwert, ist, dass bei Aufzählungen keine Kommata gesetzt werden. Hab ich eine miese Ausgabe oder ist das spezifisch für Stifter?


    Bergkristall ist die ideale Lektüre für heute oder morgen. Am besten am Nachmittag zu lesen, wenn es langsam dunkelt. Man hat das kleine Werk ja in einem Rutsch gelesen. Sehr schön und anrührend. Ganz sicher eines der zugänglichen Werke von A. S.



    Der Bergkristall liegt hier auch noch rum.


    Na dann nichts wie zur Hand damit! Wir könnten uns dann direkt drüber austauschen :smile:. Habe gerade einen kurzen Blick reingeworfen und die ersten Sätze sind schön. Heute Nachmittag werde ich es mir auf dem Sofa damit gemütlich machen.