• Nach den Begeisterungsäußerungen eines mir bekannten Germanistik-Professors, der auch über Max Frisch promovierte, beschloss ich, etwas von Max Frisch zu lesen und war lange zwischen "Homo Faber" und "Stiller" hin und her gerissen und kaufte mir beide. Eigentlich wollte ich mit "Homo Faber" beginnen, verschenkte das Buch aber gleich wieder an einen Freund und so wurde es "Stiller". Der Roman "Stiller" gefiel mir außerordentlich, auch, wenn ich mit ganz anderen Erwartungen zu lesen begann. Was ich suchte fand ich nicht, dafür aber viel unerwartetes. Ich fühlte einen eigenartigen Lesesog und fand das Buch spannend. Was mich aber am Meisten einnahm war das Nachdenken über unser Sein in der Gesellschaft, unsere Identität und über menschliche Beziehungen. Das Buch machte auf mich einen sehr modernen Eindruck, wenn es auch schon vor mehr als 50 Jahren geschrieben wurde. Jetzt bin ich natürlich neugierig auf "Homo Faber" geworden und werde mir das Buch neu beschaffen müssen...


    Was sollte ich aber noch von Max Frisch lesen? Was ist unverzichtbar?


    Danke für eure Hinweise und Empfehlungen!


    Schönes Wochenende, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Hallo Friedrich-Arthur,


    "Stiller" war auch das erste Werk, welches ich von Max Frisch las und mich dann auch sehr für diesen Autor einnahm. Identität, Eifersucht, das Zwischenmenschliche als seine grossen Themen. Unverzichtbar ist meines Erachtens auch sein dritter Roman: "Mein Name sei Gantenbein", sehr empfehlenswert.


    Imrahil

    "Die Kunst des Nachdenkens besteht in der Kunst..., das Denken genau vor dem tödlichen Augenblick abzubrechen. - Thomas Bernhard, Gehen

  • Ich danke euch!


    Auf mich wird wohl wieder ein teures Buchjahr 2007 zukommen (zur Freude meiner Buchhändlerinnen)...


    Hier sei schon mal Max Frisch für mich vorgemerkt.


    Bevor ich es vergesse: euch allen und euren Familien einen guten Rutsch ins neue Jahr, ein gesundes 2007 mit Geld und Zeit zum Bücherkauf und -lesen!


    FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

    Einmal editiert, zuletzt von Friedrich-Arthur ()

  • Die Theaterstücke sollten auch nicht vernachlässigt werden!


    Auch alles Gute zum Neuen Jahr von mir!


    Grüsse
    alpha

    Genug. Will sagen: zuviel und zu wenig. Entschuldigen Sie das Zuviel und nehmen Sie vorlieb mit dem zu wenig! <br /><br />Thomas Mann

  • Wer sich gantenbeinin nennt, der will natürlich auch was zu Frisch sagen. Nichts Literaturwissenschaftliches oder Bedeutendes selbstverständlich, sondern nur ganz banal Persönliches.


    Von der wunderbaren "freien" Lernzeit vor meinem Staatsexamen habe ich einen erheblichen Teil abgezweigt, um den (damals, 1966) kompletten Frisch zu verschlingen - inzwischen mehr davon vergessen, als jemals gelesen.
    Da jeder sein ganz spezielles, eigenes Buch aus einem Autor herausliest, war für mich die Lese-Entdeckung Frischs immer wieder thematisierte Problematik der festgelegten Biographie. Die Entscheidung für einen Weg, als Entscheidung gegen alle anderen Möglichkeiten. In diesem Sinne ist mir in erster Linie der Stiller, Gantenbein und von den Theaterstücken natürlich vor allem Santa Cruz, sowie auch die Biographie erinnerlich.
    "Gewinn" der Lektüre bestand im bewußten Versuch einer Quadratur des Kreises, nämlich das zu leben, woran die Frisch'schen Protagonisten gescheitert sind.
    Das Entdecken dieses uralten threads bewegt mich nun zu einem - heute ungefährlichen :breitgrins: - Aufrischen von Frisch.


    Gruß
    g.

  • Unverzichtbar: Biedermann und die Brandstifter!!!!


    Hab dieses Buch drei mal gelesen und hab immer noch gelacht..... denn:
    die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit

  • Nachtrag: Die Tagebücher sind durchmischt: litterarisch interessante (frühe Studien, Ideen etc) oder gesellschaftlich/politisch engagierte Texte. Habe sie gerne gelesen.
    Als "Warnung": Es sind nicht typische Tagebücher, d.h. nicht persönlich, private: Sie sind völlig anders aufgebaut und gedacht als jene von Kafka oder Thomas Mann!



    Grüsse
    alpha

    Genug. Will sagen: zuviel und zu wenig. Entschuldigen Sie das Zuviel und nehmen Sie vorlieb mit dem zu wenig! <br /><br />Thomas Mann

  • Den Menschen, der im Holzän erscheint, habe ich nicht so sehr genossen. Über "Stiller" erzähle ich immer wieder gerne: Dass wir uns ein anderes Leben wünschen, es sogar tatsächlich ändern, aber dass uns die Vergangenheit doch einholt usf.



    Von Max Frisch gibt es den "Fragebogen", der sehr - - besinnlich ist.


    Gruß

  • Es wurde als "kleine Sensation" verkauft, dass zwei Poetik-Vorlesungen Frischs, die er mal in Englisch gehalten hat, in deutscher Sprache nun erschienen sind: Schwarzes Quadrat.
    Der leider miserabel edierte Band - habe mindestens ein halbes Dutzend Druckfehler gefunden, der ärgerlichste in einem Begleittext, in dem aus dem Autoren ein "Max Fisch" (sic) wird - ist bei Suhrkamp erschienen und wirft die Frage
    Wozu Literatur?
    gleich zweifach auf, aus Sicht eines Schriftstellers und aus der des Lesers.


    Aus Sicht des Autoren ist Schreiben "Notwehr gegen die Erfahrung der Ohnmacht", also "Therapie für das schreibende Subjekt", wobei einem die Grenze deutlich sein muss: "Man kann alles erzählen, nur nicht sein wirkliches Leben..."
    Frisch hält zudem fest, dass "Kunst nicht die Aufgabe hat, der Welt einen Sinn zu unterstellen, den sie, als Ganzes, seit dem sechsten Schöpfungstag nicht hat".


    Die Funktion von Kunst (Literatur Musik usw) definiert er
    - als Widerstand gegen den Tod alles Natürlichen
    - als Bedürfnis nach Kommunikation
    - als Bedürfnis nach Selbsterkenntnis


    "Die Literatur liefert die Utopie, dass Menschsein anders sein könnte."


    Das titelgebende "Schwarze Quadrat" von Malewitsch interpretierte ein Professor so, dass es das Volk, gewöhnt an sozialistischen Realismus gar nicht zur Kenntnis nähme. Die Direktorin des Museums, in dem es im Fundus hing, dagegen argumentierte, "das Volk würde (darin) sehen, dass es noch etwas anderes gibt als die Gesellschaft und den Staat".
    Dieser subversiven Kraft der Kunst sind die Poetik-Vorlesungen Frischs gewidmet.

  • Moin, Moin!


    Weniger bekannt, m.M.n. aber Frischs bestes Buch: Der Mensch erscheint im Holozän.


    Das Buch lese ich gerade zum zweiten Mal. Bin unschlüssig, ob ich seine Tagebücher wenigstens teilweise noch lesen soll, die ich nicht kenne. Mein Bauchgefühl sagt mir gar nix dazu.


    Hatte kürzlich mit Erstaunen wahrgenommen, daß ich Frisch seit 1999 nicht mehr gelesen hatte.

  • Jetzt habe ich es endlich geschafft "Homo Faber" zu lesen und fand das Buch sehr stark. Das Ende ist ja sehr traurig, recht ergreifend aber dennoch war das Buch ein Lesegenuss. Wie Homo Fabers Weltbild durch das Schicksal ins wanken gerät, fand ich schon sehr gut erzählt. Wie schon bei der Stiller-Lektüre finde ich auch hier die Bildhaftigkeit der Orte und das Nachdenken über sie großartig beschrieben, besonders im Urwald und auf den Reisen. Besser kann ich es jetzt auch nicht wiedergeben und ich denke, ich sollte mir jetzt "Der Mensch erscheint im Holozän" anschaffen. Der "Fragebogen" schwirrt hier auch noch irgendwo als Taschenbuch herum, das wird sich wohl recht schnell finden lassen... Später besorge ich mir dann "Biedermann und die Brandstifter". Ein schweizer Kollege meinte zu mir, mit Max Frisch kann man nichts falsch machen. Welche(r) schweizer Schriftsteller(in) ähnelt Max Frisch vom Schreiben her? Jetzt bin ich wieder neugierig... FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Und am 22.02.2011 spricht Volker Weidemann
    http://de.wikipedia.org/wiki/Volker_Weidermann


    lt. Programm des Literaturfestes „Lesen.Hören 5“ in der Alten Feuerwache in Mannheim über Max Frisch


    und Anja Höfer wird moderieren:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Anja_H%C3%B6fer


    Ich nehme mal an Volker Weidemann wird aus seinem Buch


    „Max Frisch. Sein Leben, seine Bücher“
    http://www.tagesanzeiger.ch/ku…h-nicht-an/story/19684503


    lesen oder darüber sprechen.

  • Derzeit häufen sich die Biographien über Max Frisch, die 2011 auf den Markt kommen werden.


    Da hätten wir


    Max Frisch: Sein Leben, seine Bücher von Volker Weidermann  

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    Max Frisch: Biographie eines Aufstiegs von Julian Schütt 

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    Max Frisch: Sein Leben in Bildern und Texten von Volker Hage 

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    oder


    Mein Name ist Frisch: Begegnungen mit dem Autor und seinem Werk von Beatrice von Matt

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    Kennt jemand von euch eines der Werke und kann was empfehlen?


    Katrin

  • Kennt jemand von euch eines der Werke und kann was empfehlen?



    Den ersten Teil der Frage meinst Du ja nicht im Ernst, oder? Frisch ist hierzulande Kanon, und wer keines seiner Werke von der Schule her kennt, kennt zumindest sein Freibad. :eis: Empfehlen kann man generell sein Spätwerk; Frisch-Anfänger und die Lehrpläne ziehen generell sein einfacheres Frühwerk vor. Ich sage nur: "Andorra"...

    :winken:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Lies mal genau. Jaqui meint "eines der vorgestellten Werke", nicht das Werk von Frisch!



    Du hast Recht. Ich bin darüber gestolpert, dass Sekundärliteratur - und nun gar Biografien - in meinem Wortverständnis keine "Werke" sind ... :breitgrins:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo Jaqui,


    zu einer Biographie über Max Frisch konnte ich mich noch nicht durchringen, habe aber auch die Veröffentlichungen beobachtet und würde für mich persönlich diese rauspicken:




    Max Frisch: Biographie eines Aufstiegs von Julian Schütt 

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    die FAZ erachtet diese Biographie (...) von großem Reiz (...)


    Grüße von
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)